Rodney Bay
uuii, das war aber eine heftige Mahlzeit ! Es ist Heilig Abend und soeben verschwand ein 800 g leckeres Steak vom Teller, als Beilage 69 prozentiger “Clarkes Court Spicey Rum”.
Merry x-mas to everybody – ich hoffe Euch geht es gut und seid genau so satt und happy
Nun muss ich Euch noch erzählen was auf der letzten Reise so abging …
Samstag, 11 Dezember – 15.Tag auf See – wie schon bekannt, sind wir auf der Rückfahrt in die Karibik. In der Funkbude ist es ganz schön heiß aber das Pactor Modem pumpt schon die letzten Emails in den Äther … ALARM ! Der Simrad Autopilot bellt in den höchsten Tönen und in großen Schritten springen wir an Deck.
Die lange Ölspur achtern an Backbord sticht sofort ins Auge, wir spielen mal wieder Exxon Valdes. Shit, da muss doch die Kraftstoffleitung vom Backbord Diesel undicht sein – Klappe auf … nö, alles trocken, außerdem ist diese Maschine schon seit 3 Wochen “out of order”.
Mensch Alten, warum flattern denn die Ruderblätter so schlapp hin und her ? Ein Blick unter das Brückendeck und kuckuck, hier läuft lustig das Hydraulik Öl aus dem Backbord Steuerzylinder – boah geil !
Zuerst alle Schoten und Fallen los, das Großsegel rauscht runter und die Genua ist schnell eingerollt. Ab in die Kombüse und die größten Töpfe her, wir müssen jeden Tropfen Hydraulik Öl retten, nicht weil wir den sauberen Atlantik so lieben – das auch aber wir haben nur 1 Liter Reserve an Bord !
Nach einer halben Stunde tröpfelt trotz schütteln nix mehr und wir machen uns auf die Suche nach dem Leck. Der Versuch mit dem Dinghi unter das Brückendeck zu gelangen scheiterte kläglich, der Seegang war so hoch das wir schon bei der ersten Welle mächtig eingequetscht wurden – nein, nicht gut !
Also über Kopf von Deck aus mit einem Spiegel und schon war die Sache klar – Lochfraß durch Elektrolyse am Steuerzylinder. Ich kann es einfach nicht glauben, was für eine schwachsinnige Konstruktion – der Zylindermantel ist aus Aluminium, die Stehbolzen aus Niro und an Salzwasser mangelt es an dieser Position nun wirklich nicht. Nun gut, Gedanken wie wir den Schuldigen am Marterpfahl genussvoll quälen lösen nicht unser Problem, besser wir starten unseren Schnell-Lehrgang aka Crash-Kurs mit Hydraulik Steuerungen.
Schnell wird klar das wir den Backbord Kreislauf vor dem Steuerzylinder überbrücken müssen, sollte kein Problem sein denn die Druckschläuche haben alle die selben Schraubgewinde. Oh verdammt, was für eine Schweinerei … jedes mal beim lösen einer Hydraulikleitung läuft Öl aus, die Lucke kracht zu – dazwischen der rechte Arm, die Stimmung erreicht mal wieder ihren Höhepunkt ! Jetzt Öl auffüllen und entlüften, zuerst aus dem Suppentopf, dann die 2 x 0,5 Liter Behälter … shit, reicht nicht – erneut Ebbe im Tank. Was nehmen, Sonnenblumenöl aus der Kombüse oder 10W40 Motorenöl ? Wir entscheiden uns für die zweite Wahl und weiter am Ruder drehen, die Luft muss raus aus der Leitung. 10 – 20 – 50 – 100 Umdrehungen, nun wieder anders rum 10 – 20 – 30 …
Der Öl Pegel sinkt nicht mehr aber die Ruder bewegen sich immer noch nicht, auch mit der Elektropumpe vom Autopilot passiert nix, nochmal alles durchchecken …
Die Erleuchtung kommt, nicht überbrücken sondern verschließen muss Du den Backbord Kreislauf – also einen Knick in den Überbrückungsschlauch und mit einer Schraubzwinge abklemmen – yoohooo, das Ruder reagiert !!!
Das Dinghi hängt schief in den Davits – das Achterdeck voll mit Hydraulik Öl doch die Sunjet läuft nach 5 Stunden Manövrierunfähigkeit wieder mit 4 Knoten Kurs 310° – nur die Genua ist gesetzt. Der Skipper liegt in der Horizontalen denn der Dolch dreht sich wieder zwischen den Rippen, me fix & foxi ! Noch 1000 Seemeilen bis St. Lucia mit einem verbliebenen Steuerzylinder für 2 Ruderblätter, wird schon schiefgehen – let’s go !
*Sunjet under a rainbow, must be a good sign !
Montag, 13. Dezember – Bier alle, Softdrinks nicht mehr vorhanden, der französische Rotwein flog gestern Abend nach dem 2. Glass über die Kante, Sodbrennen nach zwei kleinen Gläsern geht ja gar nicht … mit dem Futter sieht es auch nicht so dolle aus aka Reis, Linsen und eine Dose Ravioli. Nun gut, die Raviolis heben wir sicherheitshalber für Weihnachten auf falls wir dann noch auf See sein sollten.
Donnerstag, 16. Dezember – die französische Yacht “Shipping” fährt seit 12 Stunden in unserem Kielwasser – wir passieren gerade ein Gebiet in dem sich auch einige Piraten tummeln. Für diesen Zweck haben wir in Kourou 7 Kilo Blei zugeladen, gut ein Drittel ging in den letzten 2 Tagen für Übungszwecke drauf. Zwar sichten wir ein paar Fischerboote, jedoch bleiben alle auf einer respektablen Distanz – prima.
Samstag, 18. Dezember – wir passieren Barbados, zur Feier wird die Dose Ravioli geöffnet – lecker !!! Gerne hätte ich Lothar & Renate besucht, aber die Behörden sind mir zu stressig und zu teuer auf Barbados.
Oups, ein Blick auf dem Mast verrät das sich der Verklickerer löst, er wippt immer mehr hin und her … wir können bei dem Schwell nicht bis zur Mastspitze rauf klettern, das Teil ist 20 Meter hoch und schwingt oben zu heftig – nee, nicht mit dem Dolch, nix – wir bleiben an Deck – Weichei ! – NEIN !
Sonntag, 19. Dezember – um Mitternacht legt der Wind mächtig zu und erreicht zeitweise 30 Knoten. Nur mit einer ca. 10 qm2 gerefften Genua rauschen wir mit 7-8 Knoten gen St. Lucia. Verklickerer & UKW Antenne haben sich während der Nacht verabschiedet, somit auch Ausfall vom AIS.
Um 15 Uhr 00 fällt der Anker nach 22 Seetagen auf dem sandigen Grund der Rodney Bay. Nach dieser Reise von Pleiten, Pech & Pannen ist erst einmal Urlaub angesagt, Dinghi zu Wasser und ab zum Supermarkt: Rum & O-Saft, A-Saft, P-Saft (zum mischen), Steak, Joghurt, Fromage, Bier, Nuss-Schokolade, frische Milch & Eier … booaah, was haben wir von diesen Leckerlies geträumt die letzten Tage, leeeeechz !
*mit 3.3 PS verholten wir am Montag die Sunjet eine halbe Meile weiter zur Reduite Beach, geht alles
Wie gesagt, nun ein paar Tage Urlaub und dann heißt es die ToDO Liste abarbeiten:
BB & STB Maschinen neue Zahnriemen, BB & STB neue Steuerzylinder, Großsegel & Genua zum Segelmacher, neue Reffleinen, Schwertkästen vorne abdichten, komplett alle Fenster abdichten, Haarrisse an den Fensterrahmen entfernen, Verklickerer & Ukw Antenne erneuern, Rudergeber vom Simrad Autopiloten erneuern, Steuerbord Toilette einbauen, Wassertanks anschliessen, Kühlschrank reparieren, Salon-Sofa neue Bezüge nähen (wünschte Feli wäre an Bord!) und vor allem die Rümpfe von den Pockenmuscheln säubern etc etc etc Langeweile ? Gibt’s nicht an Bord
