Old School !
gestern Abend trudelten noch per Email die “Neusten Nachrichten der Welt ein. Holger schickt uns diese damit wir beim Landfall nicht immer so dumm an der Pier stehen und uns leichter wieder in die Gesellschaft einfügen
Die Nationalelf gewann gegen Aserbaidschan und alle sind happy mit Jogi na und jetzt der Kracher : Gewaltiger Sonnensturm könnte Satelliten beschädigen ! Starke Sonnenstürme können Stromnetze ausfallen lassen, Satelliten lahmlegen und damit das Navigationssystem GPS durcheinanderbringen. Oups, haben wir nicht noch vor ein paar Tagen die klassische Navigation belächelt ? “Wieder mal den Mund zu voll genommen Alten, wird sofort bestraft”!
Nun gut, bevor wir jetzt anfangen um unseren geliebten GPS zu zittern, drehen wir den Spieß einfach um – morgen früh simulieren wir einen GPS-Gau !
Kurz nach Sonnenaufgang und bei Coffee N°2 kramten wir den kleinen Koffer aus der untersten Schublade vom Navigationstisch. Ganz schön verstaubt das Teil. Beim öffnen der Wunderkiste erschien ein uriges Gerät mit Zähnen, Spiegeln und lustig gefärbten Glaslinsen durch die der Himmel immer dunkler wird. Erst einmal schauen wie man dieses Ungeheuer richtig in der Hand hält . ja so rum sollte es funktionieren. Zuerst mit Wodka und Geschirrtuch die Spiegel und Gläser reinigen. Auf dem PC installierten wir die Software “Nautic Tools”, synchronisierten nochmals die Uhren und “OFF” – kein GPS mehr. Nun zittert mal nicht so Leutz, ist doch nur ‘ne Übung !
Dann mal raus auf die Steuerbordseite, wir lehnen uns lässig gegen die Aufbauten und schielen durch die Linse. Schwarz wie in einem Bärenarsch würde Lothar jetzt sagen, nix zu sehen – nicht mal der Horizont. Der Fehler wurde schnell behoben, 3 Filter gleichzeitig vor’m Spiegel ist wohl’n bisschen viel.. Jetzt sehen wir den Horizont aber keine Sonne, die versteckt sich gerade hinter einer Wolke. Warten wir mal ‘nen moment, eigentlich Zeit für Coffee N°3 . da kommt sie wieder – auf ein Neues ! Horizont ist da, nach einer kurzen Weile auch die Sonne gefunden – nun mal die Bremse von dem komischen Bügel lösen und yo cool – wir holen die Sonne runter und legen deren Unterkante auf’m Horizont. Alles ganz easy ! Zurück zum Navitisch, Uhrzeit und Winkelmessung aufschreiben, Coffee N°3 in Angriff nehmen. Eine halbe Stunde später das ganze noch einmal und geben anschließend die Werte der 2 Standlinien im Nautic Tools Programm ein. Das Ergebnis war erschütternd, ganze 2 Grad weiter südlich sollen wir uns befinden, macht eine Versetzung von 120 Seemeilen ! Wir schielen auf die Wodka Flasche . “nix, noch zu früh Alten ! Looser or what ?”
Okies, jetzt aber mal vernünftig – wieso hast Du zwischen den 2 Standlinien nicht mit gekoppelt hm ? Und die Uhrzeit jetzt mal etwas präziser wenn wir bitten dürfen . aye !
Here we go again . und nehmen einen dunkleren Filter, die Sonne ist jetzt rund wie ein Ball, auf dem Horizont legen, ganz fein nachjustieren und “Stop” 21-22-23-24-25 “Stop”
11 Uhr 05:05 minus 5 Sekunden glatt 11:05:00. Um genau 11 Uhr 32:35 die 2. Standlinie, dazwischen haben wir sauber mit gekoppelt, Kurs 38° – Distanz 4 sm und .
Breite: 28°40,4′N – Länge: 037°53,3′W – wir schalten den GPS wieder ein und yoohooo, nur 12 Seemeilen daneben ! Mit etwas Übung werden wir uns noch verbessern und im nächsten Hafen besorgen wir uns eine vernünftige Stoppuhr
Den Sextanten könnte man doch locker modernisieren, mit Mikrochips bestücken, einen Sensor der den Horizont automatisch erfasst einbauen und über Kimme und Korn wie mit einer Pistole einfach in das Zentrum der Sonne schießen. Anstatt einen lauten Knall gibts ‘ne Standlinie, beim zweiten Male als Bonus sogar die Position direkt am Display des Sextanten ablesbar. Schiffsbewegungen kein Problem – wir übernehmen die Stabilisierungstechnik von Digital & Videokameras. Schlafen die noch bei Cassens & Plath ? Okay, wird Zeit für’s erste Bier
Und ganz wichtig, ein richtiger Seemann hat immer ein Bild von sich mit Sextanten in der Hand dabei . das holen wir jetzt mal nach, that’s old school too
Sextantenbeschickung Berechnung vom 09.06.2011 10:09:20
Gestirn: Sonne Unterrand/Ah = 2m 09.06.2011
Sextantenablesung 25°44,5′
Indexberichtigung 00,0′
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Kimmabstand 25°44,5′
Gesamtbeschickung 11,2′
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beobachtete Höhe 25°55,7′
Ort aus mehreren Höhen – Berechnung vom 09.06.2011 11:38:43
Eingaben:
Datum 09.06.2011 09.06.2011
Koppelort Breite 28°00,0′ 28°03,2′
Länge 038°00,0′ 037°57,2′
Uhrzeit [UT1] 11:05:00 11:32:35
Gestirn Sonne – Unterrand Sonne – Unterrand
Sextantenablesung 43°26,2′ 49°31,0′
Augeshöhe 2 m 2 m
Indexberichtigung 0,0′ 0,0′
Ergebnisse:
Deklination 22°55,3′N 22°55,4′N
Grw. Stundenwinkel 346°27,4′ 353°21,1′
Ortsstundenwinkel 308°27,4′ 315°23,9′
beobachtete Höhe 43°38,4′ 49°43,4′
berechnete Höhe 43°31,2′ 49°38,0′
Delta Höhe 7,2′ 5,4′
Azimut 84,1° 86,9°
Position:
Breite 28°40,4′N
Länge 037°53,3′W
BV 5,2°, 37,4 sm
Infos über Nautic Tools (Freeware) unter www.nautictools.de
