Las Palmas-Dakar (2.Tag)

04 Uhr 00, 6 Stunden Schlaf in einem Stueck – kein einziger AIS Alarm waehrend der Nacht, die Goetter meinen es wirklich gut mit mir … schnell einen Kaffee kochen und wieder rauf mit dem Blister denn der Wind hat auf 10-12 Knoten nachgelassen.

05 Uhr 00, unsere Position lautet 26.19 N – 16.23 W, ein Etmal von 135 Meilen, nicht schlecht fuer den Anfang, aber die 150er wollen wir noch knacken – der Blister steht und der Wind nimmt auch langsam wieder zu.

10 Uhr 00, Intermar – Hannes sein Schiff lief letzte Nacht aus dem Ruder und eine Welle schlug ein Fenster ein, er hat es mit Sperrholz abgedichtet. Haben wir eigentlich Sperrholz an Bord? Checke in den Stauraeumen, 800×600 12mm Marineholz und notfalls den Kartenschrank zerlegen, nochmals 12000×800 6mm Sperrholz – alles gut. Wieder keinen Kommentar von Christoph ueber die Sunjet, verdammt – die Email ist nicht angekommen… nun gut, wir muessen das Wetter sowieso nehmen wie es kommt.

Murphy’s law oder ein Unglueck kommt selten allein …

LP2Dakar 015 14 Uhr 20, der Windmesser steht auf 28 Knoten, addieren wir nochmal 8 Knoten Fahrt dann sind wir bei 36 Knoten, die Sunjet vibriert und der Blister steht prall wie Dolly Busters Moepse und mir kommt ein Geistesblitz, wir reffen das Ding einfach etwas in dem wie den Strumpf etwas runterziehen … der will aber nicht, vielleicht hat er sich verklemmt, also den Blister einfach ein klitzelkleines Stueck abfieren… Baeng! Ein morts-power auf dem Fall und ich Esel hab meine Finger dazwischen, halbe Hand ist sofort taub, 2 Meter rauscht das Fall aus bevor es sich an der Winsch verhaeddert. Der Bruder muss sofort runter, renne nach Achtern und werfe die Schot los, denke noch kurz “pass auf die Schraube auf”… zu kurz denn das laute Schlagen des Segels heisst in 1 Minute bin ich nur noch ein Fetzen … Fall geloest und runter an Deck mit dem Tuch, uff! Sogar recht trocken geblieben und vor allem intakt – nix wie rein in den Sack, cool … nein, nicht cool – die Schoot ist irgendwo verklemmt. Meter fuer Meter folge ich der Schoot nach Achtern bis zum unereichbaren Ende – geil, in der Backbord Schraube oder verklemmt im Ruder.

Analyse… Bodenbretter vom Backbordrumpf raus und rann an die Welle, versuche mit aller Kraft diese zu drehen, verstelle dabei den Dichtdungsflunch von der Wasserschmierung und der Plastikstutzen von der Wasserpumpe geht auch noch zu Bruch – die Party erreicht ihren Hoehepunkt, das Wasser rauscht nur noch so in die Bilge – schnell einen Knick in den Wassertankschlauch und verklemme das Teil unter der Motoraufhaengung … nun erstmal einen Break, ansonsten versenke ich noch das ganze Schiff in den naechsten 2 Stunden. Eine Dose Bier aus dem Schapp und jetzt mal gaaanz in Ruhe ueberlegen.

Die Blisterschoot ist in der Schraube und nicht im Ruderblatt – das ist jetzt klar, einmal geloest vom Segel hole ich alle Lose durch und belege diese anschliessend auf die Backbord Genuawinsch, jetzt kurbeln bis das hohe “C” erklingt – prima, nun Trick 17 – Maschine an und wirklich nur eine tausendstel Sekunde auf Maschine rueckwaerts gehen (ansonsten kann Dir die Leine wie ein Korkenzieher die Welle nach achtern ziehen) – danach sofort wieder auf Neutral schalten … here we go: “aechz und knirsch” macht es … sofort ein paar Toerns an der Winsch und tatsaechlich, die Leine kommt frei – Hurra, hurra bin wieder der gluecklichste Mensch auf dem Wasser!

Problemloesung Nr.2 – der Flunch von der Wasserschmierung, habe noch die Worte vom Voreigner in den Ohrem: surtout ne pas toucher! Maschine volle Kraft vorraus um die Welle auf Drehzahlen zu bringen, nun mit dem Hammer ganz leichte Schlaege auf den Flunch in Richtung Dichtung, siehe da – der Strahl versiecht, noch besser – jetzt tropft sie nicht einmal mehr – woow!

Mit dem Wassertankschlauch machen wir einen kurzen Prozess, eine AAA-Batterie mit ein bisschen Tape reingestopft – Schlauchschelle drueber und basta – den Rest reparieren wir im Hafen, haben ja noch den Steuerbordtank.

Fuer heute reicht es mir, schnell ist der Blister verstaut und die Genua gesetzt, das Gross bleibt unten, es ruft das Sofa mit 2 Dosen Bier und ein gutes Buch – das 150er Etmal machen wir ein anderes mal.

16 Uhr 30 – Intermar Abendsession, Wahnsinn, meine Email ist doch angekommen und bekomme einen herrlichen persoenlichen Wetterbericht – Wind 4 Beaufort aus Nord-Ost fuer die naechsten 48 Stunden – Danke Jungs, die Moral ist wieder Top- Dakar wir kommen !!!

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Wetter
Grenada (Karibik)
7. September 2010, 05:08
Wolkig
Wolkig
28°C
Gefühlte Temperatur: 33°C
Aktueller Luftdruck: 1012 mb
Luftfeuchtigkeit: 83%
Wind: -1 bft CLM
Böen: -1 bft
Sonnenaufgang: 5:57
Sonnenuntergang: 18:13
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