Endlich kommt wieder etwas Wind auf und der Sportsgeist ist geweckt – 15 Knoten fast von achtern, das ist doch ideales Spinnaker Wetter! Also hoch den Schlauch – Schiff genau vor dem Wind stellen, Bergeschlauch fix nach oben ziehen und schnell das Großsegel runter sonst fällt der Ballon gleich wieder zusammen …shit, da klemmt was – das Groß kommt nur einen halben Meter dann geht nix mehr – aha, jetzt raschelt es da oben und genau – der Ballon bricht wieder zusammen und wickelt sich wie eine Schlange um die eingerollte Genua, welcome on board !
Das Manöver war mal wieder vom Arsch, Maschinen an (immer eine Niederlage!) und Bug in die See – immer noch läßt sich das Groß nicht bergen aber der Spi meldet sich wieder und droht unters Schiff zu wandern, nun gut – Lucke auf und stopf rein was wir zwischen die Pfoten bekommen, Spifall abfieren und den Rest hinterher … uff, ein Problem weniger.
Schnell wird klar das sich ein Mastrutscher verklemmt hat, also erstes Aufentern zur Mastspitze – wooaah, das ist Rock’n Roll, wahnsinn was sich für G-Kräfte aufbauen je höher man klettert. Einmal oben angekommen wird schnell klar, der Kreuzschlitz ist nicht das richtige Werkzeug – kann aber auch nicht richtig erkennen was nun genau das Problem ist. Okay, dann lasst uns Tacheles reden und den Hammer holen.
Erneuter Aufstieg mit kleiner Werkzeugtasche, auf Höhe der Saling wirds dann richtig spannend – die gerade betretende Maststufe bricht ab und ich hänge wie ein nasser Sack an der Radarhalterung. Okay, wieder unten angekommen erstmal ‘ne Kippe und Wunden lecken, ein bisschen Fell haben wir bei der Aktion schon gelassen.
Querab zieht gerade eine Truppe Thunfische vorbei, werde das Gefühl nicht los das die Biester sich über meine 2 Schleppangeln amüsieren und zeige ihnen den Stinkefinger – mag die sowieso nicht mehr, deren Fleisch ist mir zu trocken.
Eine halbe Stunde später hängen wir wieder oben und schwingen den Hammer sobald die See es erlaubt – das Ding bewegt sich keinen Milimeter nach unten. Verdammt, what’s up ? Runter und Neuronensystem hochfahren, ist ein altes O.S. – dauert ‘ne Weile aber dann fällt doch noch der Groschen – das Segel kommt nur einen halben Meter runter und lässt sich auch nicht komplett wieder hochziehen – das kann nur die Schiene sein. An die Winsch und hiev up 30 cm – mit Fernglas erkennen wir sofort den Übeltäter, eine Halterungsschraube von der Mastrutscherschiene hat sich gelöst und der Kopf lässt keinen Rutscher vorbei, egal welche Richtung. Mit Imbus wieder rauf in die oberste Etage, Schraube reingedreht und unser Groß ist wieder klar zum fieren. Der ganze Stress wegen einer kleinen Schraube ! Der ganze Rotz wird in Cayenne demontiert und wir fahren in Zukunft wieder mit den guten alten Plastikrutschern in der Mastnut, da gibt es keine Schrauben …schnaub!
Spi auf – jawohl, endlich wieder gute Fahrt im Schiff.
Die Nacht bricht ein und jeder vernüftige Einhandsegler hätte den Spi vorher geborgen aber zwischen sportlichem Segeln und Größenwahn liegt wenig Niemandsland, wird schon gut gehen …
Gegen Mitternacht prasselt es an den Scheiben – Regen? Nein, ein ganzer Schwarm fliegender Fische spielt Kamikaze, das haben wir auch noch nicht erlebt.
05:00 – ein satter Knall und dann das nervöse flattern – unser Spi hat sich soeben verabschiedet, genau am Kopf hat’s ihn zerissen und das bunte Tuch geht auf Tauchstation und verfängt sich im Propeller der Backbord Maschine – am Mast baumelt der Bergeschlauch und vertörnt sich vom feinsten in den Wanten. Die Sunjet legt sich sofort quer zur See was das Chaos noch erhöht, it’s party time again !
Ein Blick nach achtern verrät das die Steuerbord Schraube noch frei ist – also Stb-Maschine an und erstmal geradeaus Geschwindigkeit aufnehmen, jetzt langsam über Backbord wieder vor dem Wind – gut, das Leichentuch bleibt brav auf Backbord achterraus und die Steuerbord Schraube somit frei.
Jetzt äusserste Kraft vorraus, das Tuch muss auf Spannung gebracht werden – Maschine Backbord starten und nur ganz kurz auf “zurück” schalten – irre, das hat mal wieder funktioniert und der Spi versinkt in die Tiefe des Atlantiks.
05:30 – laufen unter Groß und Genua, erstmal ‘nen Coffee …
10:00 – genau beim rasseln von Christoph’s Seelotsen Wecker (Funkrunde) ertönt ein noch klassischeres Geräusch a la “riiiitsch – - – flapp flapp flapp …”. Nun gut, das war die gute alte Genua, das kann uns nicht mehr schockieren und in 5 Minuten war das Vorschiff wieder klar. Mittlerweile steht die Sturmfock als Vorsegel und wir laufen mit 6 Knoten gen Cayenne, es verbleiben noch 600 sm, ob Murphey wohl unser Schiff verlassen hat ?
Time will tell, yoohooo !