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Back on track …
Mittwoch, 30. November 2011 – Oh man ist das kalt ! Schnatternd halten wir morgens um 02 Uhr 00 die Nase aus der Lucke … nix, kein Lüftchen kräuselt das Wasser. Frust macht sich breit und die Flüche werden lauter. Ein Blick auf das Thermometer verraten lächerliche 7 Grad … WIR WOLLEN IN DEN SÜDEN ! Nun gut, wo ist das Feuerzeug Okay, beide Flammen vom Gaskocher zünden und Ventilator an … schon besser. Gedanken wandern zu meinem Großvater, 6.Armee – Stalingrad, danach für ein paar Jahre nach Sibirien, wie hat er das nur geschafft ? Tja, da ist von den Genen wohl nicht viel rüber gesprungen, nur seine großen Segelohren habe ich geerbt – immerhin etwas.
05 Uhr 00 – da, eine jaaanz schwache Brise – reicht noch nicht. aber in einer Stunde kentert die Tide, danach haben wir die Strömung zu unseren Gunsten.
07 Uhr 00 – Anker auf, Großsegel setzen und Kurs auf die Ausfahrt zum Atlantik. Grüßend passieren wir in der Morgendämmerung einige Fischerboote, die Stimmung steigt.
08 Uhr 15, die kräftige Strömung schiebt uns durch die Molen in den Atlantik … welch ein herrlicher Anblick, das schillernde Blau der See in der Morgensonne, dazu 10 Knoten Wind aus Ost und eine leichte lange Dünung – ein wahrhaft gelungener Start !
Kurs 215° – Richtung Islas Canarias, Zeit für’s Frühstück !
Donnerstag, 01. Dezember 2011 - 04 Uhr 00 … wir haben es gerade noch über die Schifffahrtsstraße Eingang/Ausgang der Straße von Gibraltar geschafft, da schlief der Wind ein. Alle Segel runter denn ihr schlagen geht auf’s Material & Nerven. Wir lassen uns treiben denn die Flaute war praktisch eingeplant da schon Tage voraus auf den Wetterkarten ersichtlich. Motoren kommt nicht in Frage, habe sowieso nur 20 Liter Diesel gebunkert denn auf den Kanaren ist der Sprit viel billiger.
In der morgendlichen Funkrunde beim Seelotsen erklärt mir Techniker Wolfgang (EA3-DD0ER), das unser Antennentuner ca. 1 Ampère pro Stunde verbraucht, dieser ist permanent an das Bordnetz angeschlossen. Also raus mit der Werkzeugkiste … Löcher werden gebohrt, Leitungen verlegt und 2 Schalter installiert (einen Stoppschalter für den Schleppgenerator inklusive). Flauten müssen genutzt werden und der Staubsauger macht die Runde durch Saloon & Achterkabine. Nachmittags bekommen wir noch einen netten Besuch von Kameraden einer Delfinschule … wieder ein perfekter Tag !
Freitag, 02 Dezember 2011 - Yoohooo, es gurgelt wieder an der Bordwand ! Eine leichte Brise aus Nord-West und unsere Delfin läuft gemütlich mit 4 Knoten. Ca. 120 Meilen südwestlich unserer Position rudert gerade ein deutsches Mädel Namens “Janice” über den Atlantik. Hätte sie eine britische oder französische Flagge am Heck, würden sich die Medien nur so um die Berichtserstattung prügeln. Aber unser Volk interessiert sich mehr für “DSDS” und “Bauer sucht Frau”. Nach kurzer Diskussion in der Funkrunde beschließen wir, Janice zu besuchen und ihr zumindest ein paar aufmunternde Worte zukommen zu lassen. Von Portugal nach Antigua (Karibik) mit einem Ruderboot, da verblassen alle olympischen Goldmedaillen.
Samstag, 03.Dezember 2011 – der Wind hat auf Nord gedreht und einen Zahn zugelegt (20 Knoten). Der Sonnenaufgang mit lavaroten Gebirge kündigt “Arger” an. Am späten Nachmittag wollen wir Janice begrüßen und unsere Funkfreunde geben permanent ihre Position durch. Wird eine knappe Sache kurz vor Sonnenuntergang. Gegen Mittag erreichen die Böen locker 30 Knoten und die See baut sich auf.
Um 16 Uhr 00 wird uns allen klar, das das Meeting nicht mehr bei Tageslicht stattfinden kann da Janice sich ca. 25 Meilen Süd-westlich von unserer Position befindet. Wolfgangs Enttäuschung war nicht zu überhören. Wir dürfen über Nacht nicht südlich an Janice vorbei fahren denn gegen diese See wieder nach Norden zu fahren ist nicht drin. Es bläst jetzt mit 35 Knoten und ein Segelschiff ist einfach schneller als ein Ruderboot …
Großsegel und kleine Fock runter und die Sturmfock setzen, wir fahren die ganze Nacht Zick-Zack von Ost nach West und wechseln alle 2 Stunden den Bug. Dabei versuchen wir einen Generalkurs von 245° Grad zu halten. Gegen 03 Uhr 30 erwischen uns 2 Brecher die mich von der Koje in hohen Bogen gegen das Backbord-Schott schlagen … es wurde nicht einmal gemurrt wissend das eine Kameradin ein paar Meilen weiter in einem Ruderboot sitzt !
Sonntag, 04.Dezember 2011 – 07 Uhr 15, auf unseren ersten Anruf antwortet Wolfgang spontan und gibt die neue Position von Janice durch. Wahnsinn, der Junge schläft wohl nie !!! Good News, Janice befindet sich ca. 8 Meilen südlich von uns. Armin von Intermar versorgt uns mit den neusten Wetterinformationen. Um 10 Uhr 10 übermittelt Christoph ihre aktuelle Position, sofort das Großsegel hoch und mit Volldampf Richtung 32°22N-12°29W, anschließend Kurs 255°.
Leider haben wir einen kräftigen Seegang und die weißen Schaumkronen machen die Sache nicht leichter, ja fast unmöglich. Abwechselnd geben wir Schallsignale und rufen über UKW … nix, nur das rauschen der See. Um 13 Uhr 03 endlich der erlösende A.I.S. Alarm mit Kennung “BIFROST” (Name des Ruderboots).
Erst aus 200 Metern Entfernung war ihr Boot gut sichtbar, verschwand aber häufig wieder zwischen 2 Wellen und schon rief Janice über UKW und bat einen guten Sicherheitsabstand einzuhalten. Wir erhielten grünes Licht das Boot filmen zu dürfen und schnatterten anschließend via UKW über ihre Hammer-Reise und das verdammte Wetter. Leider durfte sie keine Geschenke annehmen, hatte ich ihr doch 2 Flaschen Rum und ein großes Stück geräucherten Schinken zur Übergabe vorbereitet. Alles Gute, viel Kraft & Mut Janice, allein der Versuch ist schon großartig – what a girl !
10 Minuten später setzten wir den Kurs Richtung Lanzarote ab und und erreichten 60 Stunden später den Hafen von Arrecife, davon berichten wir beim nächsten mal.
Hier das kurze Video “Delfin meets Bifröst”
Countdown …
sorry für die lange Funkstille, noch ein paar Tage und wir ziehen wieder “Live” gen Süden & Westen. Es ist sehr viel passiert in diesem Sommer, dazu aber mehr sobald unterwegs.
Grüße an die Crews von S.Y. Roku, Kat Galeb, S.Y. Ruby & S.Y. Helgoland … let’s sail 2 Gambia !
Küsschen für meine Mama und die liebe Fee
Fortaleza
im Cruising Guide (Reiseführer) von Tom Morgan wird Fortaleza als “Fun-stop” beschrieben, fun ist immer gut aber der Unterkiefer fällt immer tiefer je näher wir der Hafeneinfahrt kommen.
“Na klar Alten, 2 1/2 Millionen People müssen ja irgendwo unterkommen, wat haste denn erwartet ?” Die komplette Bucht ist kilometerlang zugebaut mit Hochhäusern, welch ein Kontrast zum ruhigen Fischerdorf Luis Correia …
Nun gut, der beste Ankerplatz scheint vor dem Iate Clube zu sein – kaum das Eisen versenkt kommt auch schon ein Motorboot auf uns zu.
“Nao bom … problemas de seguranza la noite” ah ja – das haben auch wir verstanden machen aber zuerst auf cool & besserwissend. Ein offenes Wlan-Netzwerk ist schnell gefunden und Google erzählt von Überfällen sowie den Diebstahl einer deutschen Yacht .Zum ersten Mal auf unserer 5 jährigen Reise hissen wir die weiße Flagge und verholen die Sunjet aus Sicherheitsgründen in eine Marina.
Freundliches Personal, Landanschluss (Strom) und Frischwasser an der Pier, das alles auf einer 5 Sterne-Hotelanlage mit großem Swimmingpool. Es glitzern Goldkettchen und Klunker der wohlhabenden Gesellschaft nur 800 Meter entfernt von einer Favela (Slums), jedoch bestens isoliert mit Zäunen und einem professionellen Sicherheitsdienst. “Was beschwerst Du Dich ? Bist doch auf der glücklichen Seite !” … das schlechte Gewissen bleibt …
Mittlerweile liegen wir 10 Tage in Fortaleza und es hört nicht auf zu regnen, höchste Zeit für eine Analyse … wir sind einfach nur noch “schlecht drauf” !
Devise 1: “365 Tage Sonne pur” – davon sind wir seit November letzten Jahres weit entfernt ! Viel Regen in der Karibik, noch mehr Regen in Brasilien – das ganze wird noch schlimmer je weiter wir gen Süden segeln.
Devise 2: “wir sind Gast, bist Du mit den Regeln des Gastlandes nicht einverstanden, reise weiter …” Der Amtsschimmel verlangt hier viel Zeit da im jeden Hafen bei mindestens 3 Instanzen Ein & Ausklariert werden muss, da ist Ärger bei unserer beispiellosen Disziplin schon vorprogrammiert.
Devise 3: “Life is to short to be ordinary …” der Knackpunkt !!! Wir gammeln zu viel an Land rum. Die See ist unser Zuhause !
Lösung: eine schöne lange Seereise in ein Land wo die Sonne scheint und das Schengen-Abkommen respektiert wird = PORTUGAL
Es wird auch höchste Zeit dort gute alte Freunde wiederzusehen ! Vamos !
Zuerst Leinen los und raus aus der Big City zurück nach Luis Correia, eine kurze aber fantastische Fahrt unter Blister (siehe Video “Regatta do Brasil”). Nochmals auf die Sandbank, die Rümpfe müssen glänzen ! Ein regenfreier Vormittag kündigt sich an, raus mit den Fenstern – frisches Silikon auf den Rahmen und wieder rein, diesmal vernünftig mit Nirobolzen verschraubt. Am Abend die Feuertaufe, es gießt in Strömen und das Fenster ist tatsächlich dicht
Wir haben sogar wieder Spaß, bis in die Nacht an der Webseite zu basteln, schneiden das Gambia Video neu und tauschen das Abspielmodul aus. Der Text wird jetzt von unserem Webserver mit gZip komprimiert und verkürzt dadurch die Ladezeiten da weniger Bandbreite gebraucht wird. Auch der Positionsreport bekam ein Lifting …
Vor lauter Übermut besuchten wir sogar einen Frisör und die lange Mähne kam runter. Seit gestern knattert Orlandos Buggy wieder mit Vollgas durch den Ort, vollbepackt mit Kartons vom Supermarkt. Wir sind am Proviant bunkern, tolles Gefühl und Donnerstag geht’s “endlich” wieder los, raus in’s Blaue !!!
