Archiv für Dezember 2008
“Abwarten” und “Geduld” gehören nicht gerade zu meinem Lieblingsvokabular aber “NO CHOICE” beschreibt unsere momentane Situation wohl besser …
Gleich nach unserer Ankunft auf den Kanaren habe ich beim deutschen Konsulat einen neuen Reisepass beantragt da mein aktueller Pass in 2 Monaten abläuft, die Behörden in Senegal verlangen eine Gültigkeitsdauer von 6 Monaten, also abwarten und vino tinto trinken
.
Das Wetter ist auch sehr launisch, gestern noch herrlicher Sonnenschein bei 26 Grad, heute wieder Regen bei eisigen 19 Grad ! Am Heiligabend zogen sogar 4 Mini-Tornados nur 16 Meilen westlich von uns vorbei, die Dinger kenne ich vom Mittelmeer und sind gar nicht lustig – vor der Küste Barcelonas hat mich mal einer erwischt und in nur 3 Minuten zerfetzten alle gesetzten Segel (bergen war bei dem Chaos überhaupt nicht möglich).
Zwischenzeitlich waren wir für eine Woche in Valle Gran Rey auf La Gomera, von dort ging es mit Pit-Stop in Los Cristianos wieder zurück nach Las Palmas de Gran Canaria. Eigentlich wollte ich hier in die Werft um das Unterwasserschiff auf vordermann zu bringen aber nach nur 2 Minuten im Werftoffice wurde das Thema mit “no way!” abgeschlossen, alle Farben, ja sogar Spachtel und Sandpapier sollte ich von der Werft kaufen … schlechte Geschäftsleute, es befand sich nicht eine Yacht auf deren Platz. Somit verlegen wir den Werfttermin nach Mbour – Senegal.
Einen guten Rutsch ins Neue wünsch ich Euch – Prost
Nach einem gemütlichen Abend unter Freunden fuhren wir gestern gegen 21 Uhr 30 mit dem Auto die Berge hinunter Richtung Hafen von Los Cristianos und wunderten uns schon über den regen Betrieb. Im Hafen parkten Kolonnen von Guardia Civil (span. Polizei) Fahrzeugen und auch das Fernsehen war in den Menschenmassen vertreten … "wieder ein Flüchtlingsdrama" sagte ich fest überzeugt zu meinen Kumpels.
Der anschliessende Versuch durch die Absperrung zu gelangen scheiterte kläglich am wachsamen Auge der Polizei, nach kurzer Erklärung das wir vor Anker liegen und das wir unser Schlauchboot benötigen um an Bord zu kommen (welches sich leider in der Sperrzone befand), gab uns der Chef grünes Licht und unter Polizeigeleit durften Chori und ich unser geliebtes Dinghi entern.
Als wir das Fischereibecken verliessen und auf die Hauptmole zufuhren konnte ich meinen Augen nicht trauen … ca. 100 Meter von uns entfernt lag die Katamaran-Fähre "BONANZA EXPRESS" auf dem Strand !!!
2 Boote der Guardia Civil und Salvamiento Maritimo pendelten zwischen dem Heck der Fähre und dem Hafenbecken um die 170 Passagiere zu evakuieren. Gegen 23 Uhr 30 wurde diese Aktion erfolgreich beendet und alle Passagiere hatten wieder (bei bester Gesundheit) festen Boden unter den Füssen.
Laut einer Pressemitteilung der Fred.Olsen Company gab es Probleme mit der Schubkontrolle, der Kapitän konnte das Schiff nicht per "Maschine Rückwärts" aufstoppen.
Seit heute morgen laufen die Bergungsarbeiten auf Hochtouren, 3 Schlepper befinden sich auf Reede und laut VHF werden gerade die Dieseltanks der Fähre leergepumpt.
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Update: 2 Tage später wurde die Bonanza Express wieder ins tiefe Wasser geschleppt und nach Las Palmas in die Werft überführt.