Archiv für Januar 2009

Las Palmas-Dakar (3.Tag)

05 Uhr 30, lausige 4,5 Knoten zeigt das GPS als Geschwindigkeit an – der Skipper sollte sich schaemen aber es sieht ja keiner, daher ist es dem Skipper schnurz egal. Bin total schlapp und faul, ziehe es vor auf dem Sofa zu chillen anstatt mehr Tuch zu setzten. Muss an den Impfungen 24 Stunden vor Abreise liegen, 3 Spritzen in die Steuerbord Schulter und 2 auf Backbord dazu noch heute die letzte Kapsel gegen Typhus … 30 Jahre nix und dann diese Droehnung aber Frau Doktor sagte das ist das Minimum fuer Senegal. Nichts fuer ungut, als Belohnung gab es ein schoenes gelbes Buechlein mit vielen bunten Aufklebern von Roche und Bayer aber eine Woche vor Antritt der Reise waere wohl vernuenftiger gewesen bah… vielleicht hilft ja ein Cocktail aus Aspirin und Vitamin C schoen stark bitte!

LP2Dakar 007-800 10 Uhr 00, Intermar – Christoph vermutet uns 100 Meilen noerdlicher. Dann sein goldener Spruch “und solltest Du mich hoeren dann merke Dir mal das Rufzeichen von Hannes OSCAR-ECHO XXX, er ist ganz in Deiner Naehe” – uuiii, Match Deutschland-Oesterreich(!), und dieser Hannes (Nr.2 im Bunde) hat ein Monohull und rueckt mir auf’s Fell, solch eine Blamage kann ich unser Vaterland nicht antun! Vor Ende der Funksession steht das Gross komplett ausgerefft und sauber getrimmt – das GPS pendelt zwischen 7 und 8 Knoten, bin wieder fit wie ein Hamster – ab jetzt alle 6 Stunden eine Aspirin, Dopingkontrollen haben wir ja noch nicht!

14 Uhr 30, die letzte frische Mahlzeit bis Dakar – Lammragout mit Spaghetties danach ist Dosen und Tuetenfutter angesagt, zum angeln machen wir zu viel Fahrt.

16 Uhr 00, kein Navtex Signal mehr – Las Palmas war die letzte Station, somit abschalten, es freuen sich unsere Batterien.

19 Uhr 00, AIS Alarm – tagelang nicht ein Kahn und jetzt gleich 3 Poette im Konvoi, aber kein Problem – sie ziehen 4 Meilen an Backbord vorbei.

23 Uhr 00, der Wind geht teilweise ueber die 30 Knoten Marke und die ersten Wellen haemmern gegen das Brueckendeck, binde 2 Reffs in Gross. Laeuft doch alles prima, noch …

Las Palmas-Dakar (2.Tag)

04 Uhr 00, 6 Stunden Schlaf in einem Stueck – kein einziger AIS Alarm waehrend der Nacht, die Goetter meinen es wirklich gut mit mir … schnell einen Kaffee kochen und wieder rauf mit dem Blister denn der Wind hat auf 10-12 Knoten nachgelassen.

05 Uhr 00, unsere Position lautet 26.19 N – 16.23 W, ein Etmal von 135 Meilen, nicht schlecht fuer den Anfang, aber die 150er wollen wir noch knacken – der Blister steht und der Wind nimmt auch langsam wieder zu.

10 Uhr 00, Intermar – Hannes sein Schiff lief letzte Nacht aus dem Ruder und eine Welle schlug ein Fenster ein, er hat es mit Sperrholz abgedichtet. Haben wir eigentlich Sperrholz an Bord? Checke in den Stauraeumen, 800×600 12mm Marineholz und notfalls den Kartenschrank zerlegen, nochmals 12000×800 6mm Sperrholz – alles gut. Wieder keinen Kommentar von Christoph ueber die Sunjet, verdammt – die Email ist nicht angekommen… nun gut, wir muessen das Wetter sowieso nehmen wie es kommt.

Murphy’s law oder ein Unglueck kommt selten allein …

LP2Dakar 015 14 Uhr 20, der Windmesser steht auf 28 Knoten, addieren wir nochmal 8 Knoten Fahrt dann sind wir bei 36 Knoten, die Sunjet vibriert und der Blister steht prall wie Dolly Busters Moepse und mir kommt ein Geistesblitz, wir reffen das Ding einfach etwas in dem wie den Strumpf etwas runterziehen … der will aber nicht, vielleicht hat er sich verklemmt, also den Blister einfach ein klitzelkleines Stueck abfieren… Baeng! Ein morts-power auf dem Fall und ich Esel hab meine Finger dazwischen, halbe Hand ist sofort taub, 2 Meter rauscht das Fall aus bevor es sich an der Winsch verhaeddert. Der Bruder muss sofort runter, renne nach Achtern und werfe die Schot los, denke noch kurz “pass auf die Schraube auf”… zu kurz denn das laute Schlagen des Segels heisst in 1 Minute bin ich nur noch ein Fetzen … Fall geloest und runter an Deck mit dem Tuch, uff! Sogar recht trocken geblieben und vor allem intakt – nix wie rein in den Sack, cool … nein, nicht cool – die Schoot ist irgendwo verklemmt. Meter fuer Meter folge ich der Schoot nach Achtern bis zum unereichbaren Ende – geil, in der Backbord Schraube oder verklemmt im Ruder.

Analyse… Bodenbretter vom Backbordrumpf raus und rann an die Welle, versuche mit aller Kraft diese zu drehen, verstelle dabei den Dichtdungsflunch von der Wasserschmierung und der Plastikstutzen von der Wasserpumpe geht auch noch zu Bruch – die Party erreicht ihren Hoehepunkt, das Wasser rauscht nur noch so in die Bilge – schnell einen Knick in den Wassertankschlauch und verklemme das Teil unter der Motoraufhaengung … nun erstmal einen Break, ansonsten versenke ich noch das ganze Schiff in den naechsten 2 Stunden. Eine Dose Bier aus dem Schapp und jetzt mal gaaanz in Ruhe ueberlegen.

Die Blisterschoot ist in der Schraube und nicht im Ruderblatt – das ist jetzt klar, einmal geloest vom Segel hole ich alle Lose durch und belege diese anschliessend auf die Backbord Genuawinsch, jetzt kurbeln bis das hohe “C” erklingt – prima, nun Trick 17 – Maschine an und wirklich nur eine tausendstel Sekunde auf Maschine rueckwaerts gehen (ansonsten kann Dir die Leine wie ein Korkenzieher die Welle nach achtern ziehen) – danach sofort wieder auf Neutral schalten … here we go: “aechz und knirsch” macht es … sofort ein paar Toerns an der Winsch und tatsaechlich, die Leine kommt frei – Hurra, hurra bin wieder der gluecklichste Mensch auf dem Wasser!

Problemloesung Nr.2 – der Flunch von der Wasserschmierung, habe noch die Worte vom Voreigner in den Ohrem: surtout ne pas toucher! Maschine volle Kraft vorraus um die Welle auf Drehzahlen zu bringen, nun mit dem Hammer ganz leichte Schlaege auf den Flunch in Richtung Dichtung, siehe da – der Strahl versiecht, noch besser – jetzt tropft sie nicht einmal mehr – woow!

Mit dem Wassertankschlauch machen wir einen kurzen Prozess, eine AAA-Batterie mit ein bisschen Tape reingestopft – Schlauchschelle drueber und basta – den Rest reparieren wir im Hafen, haben ja noch den Steuerbordtank.

Fuer heute reicht es mir, schnell ist der Blister verstaut und die Genua gesetzt, das Gross bleibt unten, es ruft das Sofa mit 2 Dosen Bier und ein gutes Buch – das 150er Etmal machen wir ein anderes mal.

16 Uhr 30 – Intermar Abendsession, Wahnsinn, meine Email ist doch angekommen und bekomme einen herrlichen persoenlichen Wetterbericht – Wind 4 Beaufort aus Nord-Ost fuer die naechsten 48 Stunden – Danke Jungs, die Moral ist wieder Top- Dakar wir kommen !!!

Las Palmas-Dakar (1.Tag)

Seit 20 Uhr 00 sind wir Seeklar aber es zieht gerade ein Tiefdruckgebiet ueber Gran Canaria hinweg somit heisst es nochmals abwarten, aber das haben wir ja auf den Kanaren zwischenzeitlich gelernt – w a r t e n -  ein Blick auf die neusten Gribdaten verlauten Gutes, heute Nacht geht’s wirklich los …

Sonntag morgen, 04 Uhr 00 – endlich ist er da, unser geliebter Nord-Ost Wind – schnell noch ein Kaffee schluerfen und Anker auf.

LP2Dakar 001 05 Uhr 00, unter den regelmaessigen Summen beider Yanmar Maschinen verlassen wir den Hafen von Las Palmas, “Gracias por todo Canarias” auf geht’s in waermere Gewaesser.

05 Uhr 45, wir sind frei von Ankerliegern – das Gross ist gesetzt, Maschinen gestoppt und bei 3 Beaufort aus Nord Ost laufen wir mit 5 Knoten Kurs 160 Grad.

*Bild – Las Palmas by night and moonshine

08 Uhr 20, Wind faellt auf 2 Beaufort – Gross runter und Blister rauf, Zeit fuer ein kraeftiges Fruehstueck!

10 Uhr 00, Intermar Morgensession auf Kurzwelle 14313, habe Rolf (DL0IMA) eine Email geschickt und um Wetterinfos fuer den anstehenden Trip gebeten, hoere wie Christoph (Net-Control) mehrere Yachten auf der Passatroute interviewt – no comments fuer uns, auch nicht schlimm – unsere Wetterdaten sind noch aktuell.

13 Uhr 15, der Windmesser zeigt ueber 30 Knoten als ich den Bug in den Wind drehe, verdammt, irgendwann sollte auch ich es mal begreifen das der wahre achterliche Wind staerker ist als der Gefuehlte – erst als das Log 13 Knoten im Surf anzeigte fiel der Groschen, ruckzuck Blister runter und Gross im 2.Reff gesetzt- nochmal gut gegangen.

18 Uhr 30, eine Dose Reina Bier wird gekillt – noch nie war ich soweit suedlich – der GPS zeigt den 26. Breitengrad – von den Kanarischen Inseln ist nichts mehr in Sicht – Ozean pur, herrlich – Prost auf’s Unbekannte YOOHOO !

22 Uhr 00, der Wind blaest solide mit 20 Knoten aus Nord-Ost, Kurs liegt an auf 210 Grad und die gute Sunjet pfluegt mit 6 Knoten durchs Wasser, lasse das Gross im 2.Reff fuer die erste Nacht auf See. Nochmals einen 360 Grad Rundumblick aber kein Schiff ist am Horizont zu sehen, auch der AIS Radar meldet – no traffic, somit machen wir es uns im Schlafsack auf der Bruecke gemuetlich, das regelmaessige knarren der Schoten wiegt uns schnell in den wohlverdienten Schlaf.

Wetter
Las Palmas (Kanaren)
8. Februar 2012, 11:22
Bewölkt
Bewölkt
18°C
Gefühlte Temperatur: 15°C
Aktueller Luftdruck: 103 mb
Luftfeuchtigkeit: 48%
Wind: 4 bft N
Böen: 4 bft
Sonnenaufgang: 8:45
Sonnenuntergang: 19:47
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