Archiv für November 2009
en route vers Dakar
wir schreiben den 28. November im Jahre 2009, weit wech von der Zivilisation gleitet unser geliebter Katamaran Sunjet ueber die blauen Atlantikwellen Richtung Sueden. Genau 100 Seemeilen querab im Osten liegt der afrikanische Kontinent, seit heute Mittag laufen wir parallel zur mauritanischen Kueste bei traumhaften Temperaturen, um 18:00 ca. 27 Grad !
Las Palmas war wie immer super und shit zugleich, toll sind immer die Bekanntschaften vor Anker – Fahrtensegler unter sich, da geht niemals der Gespraechstoff aus und meistens ist es auch noch interessant, wenn nicht dann zumindest amuesannt.
Der totale Shocker kam am 2. Tag, eine regelrechte Oelpest im Hafen, die frisch gepinselte Wasserlinie der Sunjet ist jetzt ueberdeckt mit einer klebrigen Teermasse, auch nach 400 Seemeilen segeln mit Speed bis zu 10 Knoten ist noch keine Besserung in Sicht. Ganz zu schweigen von unserem Schlauchboot, 3 Stunden schrubben am Strand zeigten keine wirklichen Verbesserungen, das Ding ist versaut. Schwamm drueber … life goes on!
Eigentlich wollten wir ja noch nach Teneriffa um unseren Heinzelmann (I’m really sorry mate)zu besuchen aber ueber Navtex erfuhren wir am Mittwoch, das die deutsche Yacht Auliana II 200 sm suedlich von Gran Canaria wegen Ruderschaden aufgegeben wurde – nur 2 Stunden spaeter stachen die Sunjet und S.Y. Anni (eine 17 Meter Reinke inkl. 2 kraeftigen Maschinen) mit Skipper Jens in See. Nach 30 Stunden erreichten wir das Suchgebiet aber leider bekamen wir keine neuen Positionsupdates mehr von der Auliana II (man hatte eine Iridium Funkboje an Bord aktiviert), somit brachen wir nach 24 weiteren Stunden die Suche ab – schade, gerne haetten wir das Schiff zurueck nach Gran Canaria gebracht aber nicht alle Stories enden mit Happyness sniff …
Jens setzte anschliessend den Kurs nach El Hierro ab und wir segelten erstmal gen Sued-West, nach 12 Stunden feinsten Tiefschlaf fiel das Los auf Dakar, coolio – freue mich jetzt schon auf meine alten Freunde, vor allem auf Taxifahrer Mass.
Soweit unser Lagebericht hier von Bord der Sunjet, gleich starten wir unseren Kinoabend – gestern lief der letzte Teil von MATRIX, heute auf dem Programm: Herr der Ringe – Teil 1
Ein ganz grosses Lob muss mal unseren Seelotsen Christoph ausgesprochen werden, die morgentliche Funkrunde um 10:00 UTC ist das absolute Highlight des Tages – immer gute Stimmung, das kommt gut rueber und ist eine schoene Art, den Tag mit positiven Vibes zu beginnen! Auf www.seelotse.com kann jeder der ueber einen Internet Anschluss verfuegt die Sendung mithoeren.
Lights off – spot on, here comes the Lord of the rings … winke winke
Position der S.Y. Sunjet am 28/11/2009 um 11:14 (utc)
21°15.57′N-018°42.78′W
Back @ the Canaries …
eine Woche lang wurde vor der Playa Francesa gechilled, na nicht ganz – irgendwie packte mich die Arbeitswut (passiert aber ganz selten!) und schwups raus mit der Stichsäge… Holzplatten wurden geschnitten und geschliffen bis das Cockpit einem Hamsterkäfig glich – Stolz erhob sich aus der Sägespäne eine schöne Holzverkleidung für die Funkanlage – das Gewissen ist beruhigt, wir haben mal wieder etwas positives für die Sunjet getan !
Inzwischen traf auch Oliver mit der TAO ein und wir beschlossen zurück zur Zivilisation zu segeln, ab nach Arrecife, Hauptstadt der Insel Lanzarote. Auf der 7 stündigen Fahrt spielten wir Americas Cup, alle Segeldisziplinen wurden durchgespielt, vom Hart am Wind über Butterfly hin zum Spinnaker – happy über den herrlichen Seetag überquerten wir gemeinsam die Ziellinie (Einfahrt Hafen von Arrecife). Die Rechnung kam am folgenden Tag mit einem feinsten Muskelkater, vor allem in den Oberarmen.
Im Hafen von Arrecife wollten wir zuerst an einer alten Pier festmachen da der Ankerplatz restlos überfüllt war, aber bei Übernachtungspreisen von ca. 50 Euros ohne Strom und Wasser holten wir die Leinen ganz schnell wieder ein und gingen im Vorhafen vor Anker.
Die Shoppingtour am folgenden Tag war auch nicht ohne, 3 Kilometer zu Fuß bis zum nächsten Supermarkt.
Hinweg okay da im Ballast, aber zurück vollbeladen mit Leckerlies waren Härte 10, egal – einfach schön wenn der Schmerz nachlässt !
Nun juckt es schon wieder und der Anker wird gelichtet, Kurs auf Las Palmas, dort werden wir mal unseren guten Claes und ein paar Funkfreunde besuchen. Beste Grüsse gehen nach Köln zum Kurt von der S.Y. Roku und an unsere Galeb-Crew nach München, passt auf das ihr dort oben nicht erfriert, wäre mir ja alles viel zu gefährlich !!!
In diesem Sinne, auf geht’s – raus auf’s Meer yoohooo !
kurze Hosen und Flip-Flops
alle Pullies und Jogginghosen sind verstaut und unser Lieblingsoutfit wieder angelegt, das Schiffsthermometer zeigte heute Mittag auf 32 Grad und wir ankern vor einem schoenen weissen Strand – na wer sagts denn …
Genau 3 Tage und 11 Stunden dauerte die Ueberfahrt von Olhao nach Isla Graciosa, keine Rekordzeit aber auch nicht langweilig. 35 Stunden gemuetliches Segeln um wieder Seebeine zu bekommen, anschliessend "Sport pur" – unzaehlige Wellenberge erklommen und hinab gesurft, 4.5 Meter Amplitude x 2 macht 9 Meter von unten nach oben (danke Chris, wir koennten uns stundenlang ueber Atlantikwellen unterhalten *grins), die Blumen gehen jedoch an mein Schiff denn ich hab nur fasziniert vom Anblick Kaffee geschlabbert. Der naechtliche Approach klappte auch bestens, GPS mit gekoppelter Navigationssoftware sowie kraeftiger Mondschein sorgten fuer eine perfekte Orientierung denn bei der Playa Francesa ist es Nachts so dunkel wie in einem Baerenarsch (von Buchheim yep!) – Fazit: eine tolle Fahrt aber der Atlantik machte auch mal wieder klar das er der wahre Chef ist, wer das nicht respektiert hat da draussen nichts zu suchen.
Jetzt heisst es das Dingy (Schlauchboot) zu Wasser lassen, eine gute Flasche Rotwein einpacken und ab an den Strand – auf Euer Wohl, das erste Glas hebe ich aber auf die Sunjet … Prost
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At 07.11.2009 13:52 (utc) S.Y. Sunjet position was 29°13.15′N 013°31.73′W
