Archiv für Dezember 2009
Im Land der Krokodile & Flußpferde
Im Busch macht es ehrlich spaß früh aufzustehen. Alles was Pfoten, Krallen oder Flügel hat trifft sich mehr oder weniger friedlich zum morgendlichen Erfrischungsschluck am Flußufer. Als bei der ersten Muck Kaffee im Cockpit zwei Glubschaugen an der Sunjet vorbei schwammen waren wir doch erstmal sprachlos, das erste gesichtete Krokodil auf dem River Gambia – besser konnte der Tag nicht beginnen.
Zwanzig Minuten später gingen beide Schiffe Anker auf und wir setzten unsere Fahrt Richtung Georgetown fort. Vorbei an Kuntaur … wundere mich wo wohl die kleine Autofähre abgeblieben ist, momentan werden die Leute mit kleinen Holzbooten über den Fluß gebracht. Am Südufer von Baboon Island prusteten und schnauften stolz 2 Flußpferde bei ihrem Morgenbad, die Krönung nur 5 Minuten später mit einem 3 Meter langen Krokodil auf der Westbank – sofort stoppen wir die Schiffe auf und fachsimpelten ob wir bei Angriff eines solchen Kolloses überhaupt eine Chance hätten, die Antwort war einstimmig "nein" und wir beschlossen das Baden im Fluß in Zukunft auf ein Minimum zu reduzieren.
Der Nationalpark zeigte sich von seiner schönsten Seite und wir entdeckten hunderte von Pelikanen, Flamingos und uns unbekannten bunten Vögeln, sogar einige Adler waren dabei.
Gegen 16:00 Uhr erreichten wir die Ka-Ai Inseln, hier gönnte mir Mutter Natur im letzten Frühjahr die besten Filmaufnahmen und Bingo – kaum vor Anker vernahmen wir schon das schnaufen eines Hippos, welches sich aber nur kurz blicken lies. Martin & Jerome untersuchten das Flußufer und entdeckten viele Spuren von Hippos und ein Krokodil im Schlamm. Kurz vor Sonnenuntergang tuckerten wir mit den Dingy’s in einen schmalen Creek, wieder unter größter Aufmerksamkeit denn ein Flußpferd in diesem engen Gewässer könnte äusserst gefährlich reagieren. Der Creek endete nach einer halben Meile als Bewässerungskanal in einem Reisfeld.
Zurück an Bord mussten wir den Tag gebührend feiern, Jerome backte ein paar Fladenbrote die mit Erdnussbutter herrlich schmeckten, die Sunjet steuerte eiskalte Getränke hinzu und Skipper Claes opferte eine Flasche Rum. Mit Begeisterung revidierten wir nochmals die Videoaufnahmen und Bilder der letzten Stunden, vor allem das Krokodil auf der Westbank erntete großen Applaus. Gegen 22:00 Uhr erloschen die Lichter an Bord von Ambra & Sunjet und die Crews verschwanden unter ihren Moskitonetzen. Na fast, denn Cola Rum drückte doch noch etwas auf der Blase und ich bevorzugte das Bord-WC wegen der Mücken draußen, beim zweiten Pumpenschlag dann der Schock … EIN OHRENBETÄUBENDER SCHREI (!!!) … vom Klang eine Mischung aus röhrender Hirsch mit etwas grunzen vom Schwein und vielleicht noch etwas wiehern vom Pferd – aber der tiefe Bass erschüttert ein bis ins tiefe Mark ! Nun war klar, ein Flußpferd schwamm ganz dicht an die Sunjet heran um im Schutze der Nacht die Eindringlinge in seinem Revier zu inspizieren. Als Begrüssung die WC-Pumpe zu bedienen war wirklich ein sehr respektloser Akt meinerseits. "Sorry, das war keine Absicht liebes Hippo, kommt nicht wieder vor" … aber nach dem kurzen Schock nahm der Paparazzi wieder überhand und schwupp mit Videokamera und Nightvision raus an Deck. Auch auf Ambra schauten ein paar Nasen über den Cockpitrand hinaus und wir flüsterten "il est vachement proche !" (es ist sehr dicht am Boot). Nochmals erklang ein ärgerliches Schnauben und unser Hippo verschwand wieder in die Tiefe der Nacht.
auf zum Upper River …
Auszug aus dem Sunjet Logbuch – Sonntag, 13.Dezember 2009 – 3. Tag der Reise von S.Y. Sunjet & S.Y. Ambra zum Upper River.
Location: zwischen Tambakoto Creek und Elephant Island
06:45 – kurz vor Sonnenaufgang tuckern Martin und ich mit dem Dinghi in einen kleinen Creek. In Wirklichkeit ist es mehr eine Höhle aus Mangroven, beim Einfahren wird es schlagartig dunkel und die hohen Schlammwände (wir haben Niedrigwasser) verstärken noch den Eindruck – das ist Urwald pur !
Der Creek ist nicht breiter als 2-3 Meter und ab und zu müssen wir uns auch mal bücken um uns nicht in den Mangrovenästen zu verfangen aber die Abenteuerlust hat uns gepackt, wir wollen noch weiter rein. Wachsam mustern wir unsere Umgebung, wir befinden uns im Süßwassergebiet somit ist mit Flußpferden oder Krokodilen zu rechnen. Nach ca. 15 Minuten versperrt ein umgefallener Baum die Weiterfahrt, erste Überlegungen das Dinghy über den Baum zu hieven lassen wir wieder fallen da der Stamm durch Moosbewuchs zu glitschig ist und auf ein Morgenbad hat noch keiner Lust. Somit bleibt uns nichts anderes übrig als umzudrehen. Aber jetzt sind wir voll auf den Geschmack gekommen, zudem erreichen wir morgen den Upper River mit vielen verwucherten Creeks und interessanten Tieren, da sind die Expeditionen in den tiefen Busch schon beschlossene Sache.
10:15 sichten eine Affenfamilie beim Sonnenbad am Flußufer von Elefant Island.
12:00 die Landschaft verändert sich und wir fahren jetzt durch die Reiskammer von The Gambia.
13:45 – Kurz hinter Kau-Ur Maschinenausfall auf der S.Y. Ambra, da wir erst vor kurzem die Segelyacht "RA" über dem Golf von Cadiz geschleppt haben sind wir noch ganz gut im Training und in 3 Minuten hing die Ambra an unserer Trosse.
15:20 – Ambra wieder in Fahrt unter eigener Maschine, der Dieselfilter war verstopft.
17:00 Landschaftswechsel: Palmen und Mangroven – dazu ein herrlicher Duft von verschiedenen Pflanzen, der Bush ist nah …
18:45 – Anker fällt vor dem Red Hill of Kassang (Bird Island).
20:00 – sitzen im Cockpit von S.Y. Ambra und schlabbern leckeren Tee mit Rum, im Hintergrund klingen die Buschtrommeln aus dem Dorf Majumba, die Jungs haben Musik im Blut – fantastisch !
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At 14.12.2009 08:53 (utc) S.Y. Sunjet position was 13°42.32′N 014°55.06′W
Lamin Lodge & Serekunda
Die gnadenlose Hitze und der logisch darauf folgende Durst push’te uns endlich zum Landgang. Dinghy klar zu Wasser und rüber zum Anleger des Lamin Lodge. Mit einem herzlichen "welcome" nahm man die Leine vom Dinghy ab und auf gings die Treppen hoch zur Bar. Das erste Jelbrew Bier ging Ex runter, beim zweiten flirtete ich bereits mit einer Affendame, kaum hatten wir gegenseitig etwas Vertrauen gewonnen, mopste mir die Lady meine Bierflasche und verschwand mit ihrer Beute eine Etage höher … mal wieder typisch female
Kurz darauf lernte ich Cpt.Peter kennen, ein deutscher Segler der vor 28 Jahren seinen Anker für immer in The Gambia fallen lies. Er ist der Erbauer und Gründer von der Lamin Lodge, die Wellenlänge stimmte sofort und wir plauderten unsere Stories und Ideen aus als ob wir uns schon jahrelang kennen würden. Selbst 2 Regierungsputsche und ein Grossfeuer welches die Lamin Lodge 1993 total zerstörte konnten ihn nicht in die Knie zwingen und er baute alles wieder auf. In ca. 2 1/2 Stunden killten wir unter größter Verwunderung der Einheimischen einen kompletten Kasten Bier und der ganze Tisch war bedeckt mit leeren Flaschen, they called it the german table *grins
Die Beschreibung des Katers heute morgen erspare ich Euch lieber …
Nun gut, lasst uns mal das Land erkunden, auf Richtung der größten Stadt Gambias Namens "Serekunda", welche sich 9 km nord-östlich von Lamin Lodge befindet. Zuerst einen Fussmarsch von ca. 4 Kilometer durch die Pampa, da kommt schon wieder das Abenteuer-Feeling auf, ungewohnte Tierlaute und Flora und Fauna wie man sie nur aus Sielmanns Tierfilmen kannte, but this time it’s for real ! Im Dörfchen Lamin wird man stürmisch von den Kids mit "Toubab!" "Toubab!" begrüsst, was nichts weiter als "Weisser" heisst. Dort lerne ich 2 Rasta und Gospelsänger kennen die einen Zigarettenladen betreiben, nach harten aber fairen Verhandlungen bekomme ich diese für 2,40 Euro – nicht die Packung sondern die ganze Stange, da macht rauchen wieder spass
Endlich erreichten wir die Hauptstrasse, nun die Qual der Wahl – Taxi oder Mini Bus, die Entscheidung fiel auf Mini Bus, alle 30 Sekunden flitzt so’n Ding hupend an einem vorbei . Daumen hoch und schon stoppt es, Tür auf und quetsch rein – unfassbar wie viele Leute in so einem kleinen Mitsubishi passen, kurz vor Serekunda konnte die liebe Mummy vor mir nichts mehr hören da meine Knie an ihren Ohren lagen, meine linke Schulter quetschte ich aus dem geöffneten Fenster und der Fahrer hielt schon wieder an um Passagiere aufzunehmen – einfach irre cool ! Der Trip kostete 5 Dalasis, umgerechnet 12,5 Cents und wir sind alle heil und happy in Serekunda angekommen.
Jetzt wollen wir mal Moneygram (Bank) aufsuchen um etwas Kohle abzuholen, voila veni – vidi … "sorry Sir, we run out of cash" (unsere Kasse ist leer), "och yep, das kenne ich" und weiter zur nächsten Filiale, Nr.2 bis Nr.4 hatten momentan keine Telefonleitung "haben wir ja auch selten" aber bei der 5. Filiale klappte es dann doch – Freundlichkeit ist die halbe Miete und Geduld der Schlüssel zum Erfolg.
Zeit für einen Drink, hierzu einfach rein in einem Tante Emma Laden, "welcome", ein Hocker oder Holzbank wird hervor gezaubert auf der man genüsslich seine Flasche leert denn diese bleibt selbstverständlich im Laden.
Die Lebensader der Stadt Serekunda ist die Hauptstrasse, diese geht quer durch die City Richtung Banjul, unglaublich aber wahr – von Ortseingang bis Ortsausgang sind beiderseitig ein Geschäft nach dem anderen gereiht, davor auch noch fliegende Händler, Stände und Basare – alle geschmückt mit den tollsten Namen, ganz groß in Mode sind: "TRADE", "POWER" und "Technologie", überall wird friedlich geschachert und verhandelt. Übrigens konnte ich mich total ungestört bewegen, keine lästigen Guides-Anfragen (Buster) etc., diese scheinen sich auf die Touristenzentren zu konzentrieren. Ab und zu fiel mal ein lautes lachen welches mit einem grinsen quittiert wurde denn ich hatte kein bock auf lange Hosen, Shorts kommen hier wohl so ähnlich an wie in Deutschland ein Schottenrock, never mind – i feel good
Nach 5 Stunden walking brannten mir dann doch die Füße und ich weckte einen Taxifahrer, der in einer Seitenstrasse in seinem Auto ein Nickerchen machte, gute Situation zum verhandeln und wir einigten uns auf 120 Dalasis für die Rückfahrt – 30 Cents pro Kilometer ist okay. Er heisst Tennenkamara und wir planen eine weitere Fahrt am kommenden Dienstag, aber das ist eine andere Story …
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At 05.12.2009 17:06 (utc) S.Y. Sunjet position was 13°23.52′N 016°37.31′W
