Archiv für Februar 2010
Welcome in the caribbean :-)
Samstag morgens 04:00 local:
Gemäß der Sunjet-Tradition lief der Approach auf unseren ersten Karibik-Hafen Namens St. Pierre natürlich wieder im dunkeln ab. Klaro, in Schleichfahrt ran an die Beach und im Slalom zwischen den vielen Yachten in seichtere Wasser – schön das unser Schiffchen ein Katamaran ist, selbst in diesen Gewimmel finden wir ein schönes Plätzchen direkt neben dem Dinghianleger auf 1,40 Wassertiefe.
Trotz der frühen Stunde tummeln sich schon viele Leute an der Beach, ein Blick durchs Fernglas klärt die Lage … heute ist Markttag, coolio – das passt doch prima denn nach 6 Tagen auf See sind Obst & Gemüse an Bord mal wieder Mangelware.
Einklarieren macht auf den französischen Karibikinseln sogar spaß, in St. Pierre besucht man das Café La Escapade und tippt die Daten selber in den Clearance Computer, anschließend klick auf “print” und die freundliche Dame am Tresen ´drückt den Stempel drauf – fertig, dauert keine 5 Minuten. Das dieses System bestens funktioniert bekommen wir am nächsten Tag zu spüren …
Sonntag Mittag:
Noch ganz im Morgenblues den 2.Kaffee am schlürfen geht bei uns ein großes Schlauchboot längsseits. “Bonjour – französischer Zoll, zuerst nur 3 Beamte, dann wurden es sogar 6 und ein Labrador. Zu ungewöhnlich war unsere Tour in den letzten 4 Wochen, erst Gambia – franz. Guyana, nach nur einer Woche direkt nach Martinique und dann auch noch in einem kleinen Örtchen wie St.Pierre landen, da muss was faul sein. Über 4 Stunden dauerte der Check-up, aber immer in einem respektvollen und freundlichen Ton, zum Schluss befreite ein Taucher sogar die Backbord Schraube der Sunjet von dem alten Spinnakertuch, welches wir uns auf der Überfahrt reingezogen haben. Alles roger aber unser Ruf hat natürlich in diesem Örtchen einen Knacks bekommen, das war Hafen-TV live für die anderen Yachten vor Anker, “welcome home Cpt. Jack” !
Montag, 10:00 local
In St. Pierre gibt es leider keinen Yachtausrüster – Kurs auf die Hauptstadt von Martinique “Fort de France”. Nach 3 Stunden Fahrt fiel der Anker direkt vor der City auf 3 Meter Wassertiefe, das Beste – endlich wieder Wlan nach 2 1/2 Monaten Internet-Abstinenz … Sahne ! Es kommt noch besser, die Firma “Solar & Energietechnik Knipping” aus Hamburg sponsert der Sunjet zwei solide “Rule” Bilgepumpen, die Biester drücken bis zu 9000 Liter Wasser pro Stunde aus dem Schiff – der Hammer ! Ein großes “Danke schön” an die Waterkant !!!
Am Freitag brach auf Montserrat mal wieder der Vulkan aus, da die Insel nur 200 Kilometer entfernt ist bekamen auch wir hier in Martinique etwas von dem Ascheregen ab und Deckwaschen war angesagt. Schlimmer traf es aber die Insel Guadeloupe, dort wurde für mehrere Tage sogar der komplette Flugverkehr eingestellt.
Soderle, und zum Schluss noch ein paar Bilder vom Karneval, 4 Tage und Nächte war hier die Hölle los und wir sind heilfroh das nun wieder etwas Ruhe einkehrt, na schaun wa mal für wie lange
Kourou – französisch Guyana
ganz sanft dümpeln wir mit 2 Knoten entlang der Küste von St. Lucia um in ein paar Stunden durch den Channel auf die Westseite von Martinique zu gelangen, von Wind kann man nicht sprechen – eher wohl ein Lüftchen aber wir genießen es … wo waren wir stehen geblieben – Iles de Salut yep …
Die Ile Royale ist echt wunderschön und ein längerer Aufenthalt wäre Pflicht gewesen aber leider gab es dort keinen Supermarkt, die Vernunft crashed sehr schnell und der Bauch übernimmt das Kommando: franz. Rotwein, Camembert, frische Steaks, Kinderschokolade … mehr Argumente braucht es nicht und nach nur 8 Stunden lautet das Kommando: "Anker auf – Kurs Kourou"!
Die Einfahrt ist wirklich sehr gut betonnt aber ein Blick auf’s Echolot bestätigt das man diese Fahrt nicht bei Niedrigwasser tätigen sollte, desweiteren pendelt hier permanent der panamesische Saugbagger "Germa", also große Versandungsprobleme. Die Wasserfarbe löst auch keine Begeisterung aus, schmuddeliges braun – egal, wir kommen dem Supermarché immer näher.
3 Meilen Flußaufwärts et voila der Ankerplatz von Le Bourg, nach kurzer Inspektion finden wir unser Plätzchen und der Bügelanker verschwindet in der trüben Brühe des Kourou Rivers. Mein Begrüßungswink rüber zum französischen Katamaran "Take Five" wird mit einem Schuss aus einer Baikal Flinte Kaliber 12 beantwortet. Wooow, was läuft denn hier für ein Film ??? Okay, lachen ist wohl erstmal die beste Antwort.
Schnell ist das Dinghy zu Wasser gelassen und rüber gehts zum Anleger. Dort lerne ich Laurent von der Take Five kennen, er erklärt das an der Küste Richtung Norden, vor allem in Venezuela viele Yachten von armen Fischern (die sich als Piraten versuchen) angegriffen werden. Gestern haben sie sich ein paar Flinten gekauft (bekommt man hier ohne Waffenschein) und sind fleißig am üben denn sie wollen bald nach Trinidad aufbrechen.
Laurents Tipp: hörst Du eine Automatic, dann lass Dein Gewehr im Schrank und versuche es mit Worten denn hier handelt es sich meistens um Drogenschmuggler – erstens hast Du keine Chance und zweitens haben die Jungs kein Interesse eine Yacht zu plündern, die Fischer haben nicht die Kohle für automatische Schusswaffen und gehen auf leichte Beute – ein Warnschuss sollte meistens den gewünschten Erfolg haben.
Er erklärt noch den Weg zum Supermarkt und weiter geht’s … hm, hier scheint echt ein anderer Wind zu wehen – schaun wa mal.
Es scheint das die Chinesen den Lebensmittelhandel hier voll unter Kontrolle haben, alle Supermärkte in Kourou werden von ihnen geführt und booaah, ist das teuer hier – klaro wird ja alles aus Europa eingeschifft, Camembert de Normandie (3 Euronen), 2 Flaschen Rouge de Bordeaux (8 Euronen) und tiefgekühlte Steaks aus Alemania (12 Euronen) wechseln in unseren Besitz und schnell zurück an Bord, der Festschmaus ist gesichert.
2 Tage später fielen Nachts wieder ein paar Schüsse, Jacek und Andy von der S.Y. Guiria verscheuchten ein paar Diebe die ihr Dinghy zocken wollten. Okay, der Entschluss ist gefasst, wir machen uns in den kommenden Tagen wieder Seeklar denn es regnet zuviel in diesem Gebiet und es gibt auch noch friedlichere Länder – wozu haben wir ein Schiff !
Am Sonntag, den 31. Januar um 09:30 gehen wir wieder Anker auf – das Ziel: Martinique.
Die Kourou Flußmündung präsentierte sich sehr unfreundlich und mit beiden Maschinen stampften wir gegen die Wellen Richtung offene See. Der Wetterbericht stimmte nicht ganz mit der Situation überein, aus den versprochenen 20 Knoten Wind wurden zeitweise volle 30 Knoten und aus dem Nord-Ost wurde in Wirklichkeit ein Nord-Nord-Ost, gar nicht gut für uns denn nur mit dem Großsegel und der Sturmfock kommen wir nicht hoch genug an den Wind. Eine vergessene Komponente kam uns zur Hilfe, die starke nord-west setzende Strömung mit bis zu 4 Knoten (!), aber zu einem heftigen Preis: steile kabbelige See = Strom gegen Welle.
Nach nur 3 Stunden ertappte ich mich des öfteren bei dem Gedanken umzudrehen, die Sunjet bezog mächtig Prügel und mein Magen meldet langsam Protest an, kann eigentlich gar nicht sein – wir werden doch nie Seekrank aber diesmal sind wir doch kurz vorm opfern …
24 Stunden später … endlich frei von der Küste und wir erreichen das tiefblaue Atlantikwasser, die See bleibt aber ungemütlich und wir spielen U-Boot, die Wellen brechen über das Deck, ab und zu rauscht eine ins Cockpit und unter uns explodieren Wasserbomben, sprich die Wellen schlagen ohrenbetäubend gegen das Brückendeck. Das verrückte ist, wir haben weder Sturm – noch sind die Wellen hoch (max. 2 Meter) aber durch die Strömung sind die Biester so verdammt steil und kurz, da kann selbst das Mittelmeer nicht mithalten.
Auch machen wir viel Wasser durch die Luken vom Vorschiff, um Strom zu sparen bedienen wir die Handbilgepumpen und klaro, die Henderson Chimp Pump streikt nach kurzer Zeit, die Neopren-Membran verabschiedete sich – toll, erst vor 3 Monaten in Portugal ersetzt – im hohen Bogen fliegt die Pumpe samt Schläuche über die Kante.
Am 3.Tag erreichen wir wie schon in der Email an "meine" Fee beschrieben den Höhepunkt unserer Reise, wie immer kurz nach 10 Uhr zur Funkrunde … eine geile Welle kracht unter das Brückendeck und zerfetzt die Gummidichtung vom Backbord Niedergang, nun haben wir eine freie Öffnung von 30 cm x 8 cm – einfach beeindruckend wie viel Wasser durch so einen Spalt kommt, nur eine Welle und im Salon trieft das Wasser von der Decke – schnell erstmal einen Teppich rein stopfen … Christoph will meine Position, okay wird durch gegeben (könnte ja von Nutzen sein
) und ran an die Arbeit – mit einem großen Patch vom Schlauchboot-Repairkit dichten wir den Spalt wieder ab, jetzt schnell die Lenzpumpe an denn das Wasser muß raus …
Der Wasserpegel in der Bilge will trotz laufender Pumpe nicht sinken, ein Blick über die Kante auf den Borddurchlass und klaro … Pumpe Nr.3 (vor 6 Monaten gekauft!) out of service …
Nix mehr da außer die Frischwasserpumpe – also vom Wassertank kappen, den Schlauch in die Bilge legen und den Wasserhahn im Waschbecken öffnen und Pumpe marsch (!) – langsam aber sicher sinkt der Pegel während ich gedanklich zum Dschihad gegen die Bilgepumpenhersteller aufrufe – einfach eine Sauerei sowas …
Nochmal Schwein gehabt, die Laptops waren zugeklappt und die Funkanlage verdankt ihr Leben der Holzverschalung die wir auf den Kanaren gebastelt haben, ansonsten war alles bestens geduscht.
Am 4.Tag erreichten wir die Höhe von Tobago und die Strömung sowie der Wind ließen endlich nach, jetzt starten wir die Reha-Phase, oh man geilo !!! Alle Polster raus in die Sonne zum trocknen, es wird wieder richtig gekocht und der Duft von gerösteten Zwiebeln und Champignons wandert durchs Schiff, sogar die volle Flasche Rotwein bleibt auf dem Tisch stehen, na jut – die nicht so lange
Und jetzt wie schon gesagt dümpeln wir zwischen den Karibik Inseln in einer Flaute und geniessen jede Minute, wie herrlich wieder auf einer trockenen Matratze zu liegen … ich glaube das wir diesmal echt einen kleinen Dachschaden davon tragen werden, time will tell *muuuhahahaha
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Gerade kam der Funkspruch von Christoph – Frank & Crew vom Katamaran "Hermann-Heinrich" haben 200 sm vor der afrikanischen Küste einen Container gerammt und sind leck geschlagen, oh scheisse aber das packt ihr Leute! Infos unter www.seelotse.com !!
Hurra hurra wir schwimmen noch ;-)
S.Y. Sunjet auf der Fahrt von Kourou (franz. Guyana nach Martinique) – Mail an unsere Fee …
Hola Suesse,
alles unter Kontrolle am Bord der Sunjet, hier sind nur nach und nach alle Bilgepumpen ausgefallen. Heute morgen genau in der Funkrunde (wann soll es auch anders sein) hat eine Welle das Dichtungsgummi vom Backbord Rumpfdurchgang zerfetzt, das war der bisherige Hoehepunkt der Party. Mit jeder Welle kamen 5-10 Liter Wasser ins Schiff, habe das aber schnell mit dem Schlauchboot-Repairkit flicken koennen und auch eine Frischwasserpumpe als Lenzpumpe umgebaut, somit ist momentan alles wieder so einigermassen trocken, ist ja nicht mehr weit bis Martinique und dort gibt es Yachtausruester wo ich endlich wieder Ersatsteile bekomme.
Die Schreibfaulheit ist locker zu erklaeren, die Wellen sind sehr steil und die Sunjet jumpt und rockt wie in guten alten Zeiten, daher ist das tippen sehr muehsam. Trotz der stark reduzierten Segelflaeche kommen wir gut vorwaerts und ich schaetze das wir am Freitag morgen Fort de France erreichen werden.
Danke fuer die ganzen Info-Mails der letzten Tage
Winke winke von der venezulanischen Kueste (Orinoco Delta) – Cpt. Jack
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Position der S.Y. Sunjet am 02/02/2010 um 17:51 (utc)
09°46.65′N-056°14.71′W
