versteckte Kamera ???
Mittlerweile haben wir uns richtig gut in St. Georges eingelebt, die Liste neugewonnener Freunde ist sehr lang, auf der Pole Position “Yves” – ein Abenteurer wie er im Buche steht. Mit einer 2 CV (Ente) durchquerte er Südamerika, lebte 2 Jahre in Kolumbien, 4 Jahre in Brasilien und nun knapp 30 Jahre in französisch Guyana. In dieser Zeit hat er sich ein mächtiges Anwesen aufgebaut, 50 Hektar Land mit einer schönen Farm direkt am Gabaré Creek, einfach traumhaft !
*Sunjet im Gabaré Creek
Na und wie es Kollege Zufall will hat Yves gerade ein kleines Segelboot geschenkt bekommen welches noch in Kourou an Land steht, da er lange Zeit nicht mehr auf See war konnte ich seine Bitte das Boot zu überführen nicht ablehnen. Einer seiner Arbeiter ist seit 2 Wochen in Kourou und hat alles bestens in Schuss gebracht, selbst der Antifouling Anstrich ist schon erledigt … “Du brauchst nur noch einsteigen und in See stechen”.
*eine Indio Hütte im Gabaré Creek
Hier also ein 48 stündiger Bericht aka 2 ganz normale Tage in fr. Guyana …
Mittwoch morgens um 05:00 brechen wir auf, mit einem Kleinlaster 150 Kilometer quer durch den Urwald und jetzt sehe ich die ausgebrannten Fahrzeuge mit eigenen Augen und zähle nur 15 Stück, bekomme aber auch prompt von Yves die Antwort : alle 3 Monate kommt eine Räumkommando aus Cayenne. Die Straße ist durch die lange Regenzeit stark beschädigt aber die Natur ist einfach umwerfend schön, die Bäume scheinen in den Himmel zu wachsen. Bei Kilometer 110 erreichen wir den Kontrollposten “Regina” von der Gendarmerie, hier werden sorgfältig unsere Papiere und das Auto kontrolliert. Ab Cayenne fahren wir wieder auf einer schlaglochfreien Straße und erreichen Kourou um 10 Uhr 30.
Da steht nun Yves neuer Stolz, “MELANIE 1” – eine recht solide 6,50 m Gfk Sloop aus den 70ern aber leider nicht auf geriggt, nun gut – wir haben eine 8 PS Mercury Außenborder sowie einen 8 PS Johnson als Reserve, damit sollten wir die 120 Seemeilen entlang der Küste locker schaffen, 120 Liter Sprit befinden sich bereits in Kanistern an Bord. Also erst einmal das Rigg ordentlich laschen denn mit so einer kleinen Schale werden wir bestimmt draußen mächtig rollen. Jetzt fällt auch auf das wir keine Stromversorgung an Bord haben, 6.50 Meter – da reicht ein weißes Licht, also auf zum Chinesen um eine Petroleumlampe zu kaufen, 2 Taschenlampen kommen noch hinzu.
Kurzer Besuch in einer Kneipe, Frankreich verliert gegen Südafrika aber meine Kollegen nehmen es mit Humor.
15 Uhr 00 - wir slippen, der Mercury springt an aber kommt nicht richtig auf Touren, die Düsen vom Vergaser sind verstopft, keine Panik – Kurs auf den Ponton von Le Bourg der sich 2 Meilen flussabwärts befindet. Didier kommt mit großen Augen aus der Kabine und fragt mich ob es denn normal sei das sich Wasser im Schiff befindet !!! Schnell übergebe ich ihm die Pinne und traue meinen Augen nicht, der Kahn ist halbvoll gelaufen und die Bodenbretter schwimmen schon auf, schnell zum Bug – dort hatte ich vorher schon rostige Seeventile entdeckt aber die Dinger sind dicht, unter den Sitzbänken auch nix aber bei der Hundekoje ein verdächtiger Wasserwirbel, mit der Hand taste ich durch die trübe Brühe und irre – ein offener Wasserdurchlass !
Das erste nützliche Objekt in greifbarer Nähe war eine Rolle Toilettenpapier, einfach reinstopfen und freu freu, erst mal dicht das Ding … danach mit der Pütz schnell lenzen lenzen lenzen … wie sagte mein alter See Guru Sigi von der Sportbootschule Nautilus in Hamburg, die beste Lenzpumpe ist eine Pütz und ein Skipper mit Angst vor’m absaufen. Gegen ein erfrischendes Bad hätte ich ja nichts aber mein gutes Laptop ! Also weiter, das Wasser muss raus … kurz vor Le Bourg übernehme ich wieder das Ruder und Didier bereitet die Leinen vor. Ich fahre eine 180 Grad Kurve um gegen die Strömung an den Ponton zu fahren, der Mercury ist kurz vorm absterben aber noch ist alles gut … bis zum Moment wo ich keinen Wiederstand an der Pinne mehr spüre, what’s up ? Keine Panik, die Pinne ist soeben vom Ruderkoker abgebrochen, ganz geil – was haben wir denn noch ? Ah ja, der Mercury im Schacht lässt sich um die 10 Grad nach Backbord und Steuerbord drehen – mit einem etwas härteren Manöver erreichen wir den Ponton und Erleichterung machte sich breit als die Vorleine belegt war. Was läuft hier für ein Film ab, ist hier irgendwo eine Kamera an Bord versteckt oder was ? Kein Power auf der Schraube, das Boot voll Wasser und anschließend auch noch Ruderverlust, hier ist doch was im Busch !
Didier versichert das alles in Ordnung ist, er wird schnell an Land gehen und eine neue Pinne schnitzen. Nun gut, zwischenzeitlich wechsel ich den Mercury gegen den Johnson aus aber wie schon erwartet springt dieser nicht an … nicht mal husten tut er, aus Erfahrung mag ich sowieso keine amerikanischen Außenborder. Der Voreigner kommt und bastelt eine Stunde am Motor – nix, kein Mucks also wird Motor Nr.3 angeliefert, diesmal ein Yamaha – vernünftig aber mit 4 PS doch recht schwach auf der Brust. Auch der Wasserdurchlass wurde zwischenzeitlich mit einem Schraubdeckel verschlossen.
Didier kommt gegen 20 Uhr mit der neuen Pinne und kann es gar nicht abwarten, das erste mal in seinem Leben mit einem Segelboot in See zu stechen. Leinen los und auf geht’s flussabwärts, Kurs auf die Iles du Salut. Der Yamaha ist wirklich zu schwach, 4 PS für 2 Tonnen, dazu die falsche Schraube und noch schlecht angeströmt, da ein Kurzschaft = wir machen 3 1/2 Knoten über Grund. Um 23 Uhr 30 passieren wir die Inseln und bekommen jetzt noch 1 Knoten Gegenströmung, als Bonus macht das Boot ca. 15 Liter Wasser pro Stunde, ein altes Seewasserventil leckt.
Wir haben 5-10 Knoten aus Nord-Ost mit Regenschauern. Eigentlich gute Konditionen um zum Oyapock Fluss zu Motoren, nach 4 Stunden an der Pinne wird es Zeit mal die Position zu checken und rufe Didier zum Ruderwechsel.
Kaum das Laptop gebootet und den GPS angeschlossen höre ich schon das jammern im Cockpit, keine 5 Minuten vergehen und Didier wird richtig hysterisch – er kann die Kälte nicht mehr ertragen (25 Grad!) und die See ist nichts für ihn …Okay, alles wird gut und übernehme wieder die Pinne. Didier verschwindet in die Kajüte und macht sich unsichtbar (erstaunliche Leistung auf einem 6.50 m Boot). Wenn der Bursche jetzt schon ausflippt dann springt er bei Schlecht Wetter bestimmt über die Kante, also Kursänderung zurück nach Kourou. Um 04 Uhr 00 = 8 Stunden an der Pinne erreichen wir wieder den Ponton von Le Bourg und was haben wir gelernt ?
“Nichts geht über Einhandsegeln”
Nach 2 Stunden Gedöse geht es mit dem ersten Minibus nach Cayenne. Dort ein leckeres Frühstück, Café au lait & Croissants und weiter mit dem nächsten Minibus durch den Busch zurück nach St. Georges. Um 17 Uhr 30 sitze ich wieder in meinem Dinghi und rudere zu der geliebten Sunjet, oh yes – am schönsten ist es doch Zuhause und falle sofort in einen tiefen Schlaf.
Um 03 Uhr 00 heult auf einmal eine Sirene, kann doch gar nicht sein – mitten im Busch und doch, die lokale Polizei weckt gerade Yves, ein Sondereinsatzkommando der Grenzpolizei hat ein Flüchtlingsboot geschnappt und haben ein großes Problem, es sind 4 Wildschweine mit am Bord und Yves hat natürlich die größte Erfahrung mit den Biestern. Mit dem Lastwagen geht es zum Tatort und unser Haudegen fesselt mit Hilfe vom Doc die aggressiven Schweinchen in knapp 10 Minuten … die ca. 25 jährigen Rambo’s vom Sondereinsatzkommando kamen aus dem Staunen nicht mehr raus.
*Schwein muss man haben !
Somit einen starken Kaffee und das Schlachtfest kann beginnen, heute gibt es leckeres Schweinefilet miam miam
*Yves und Nestor beim entborsten …
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*auch unser “Doc” ist nicht zimperlich und nimmt sein Glück selber in die Hand
Reisetipp für Naturliebhaber: Gabaré Creek
die Einfahrt zum Gabaré Creek befindet sich 1 1/2 Meilen flussabwärts von St. Georges auf 03°54 N – 051°47 W und hat durchschnittlich 5 Meter Wassertiefe. Es gibt zwei Untiefen, bei Hochwasser aber kein Problem (3.5 Meter). Nach 15 Kilometer versperrt die Straßenbrücke (N2) jegliche Weiterfahrt. Hier wird es Zeit, das Schiff Als Basis Camp zu sichern, Leinen an Bäumen & Anker. Mit dem Dinghi (besser wäre ein Kajak) kann man noch 80 Kilometer weiter den Creek hinauf. Der Gabaré Creek dient zur Trinkwasserversorgung von St. Georges und eignet sich hervorragend zum täglich erfrischendem Bad.
Abenteuer pur in unberührter Natur mit Indios, Papageien, Krokodilen, Wildschweinen u.v.m.
Zum Abschluss noch ein Video Cut: mit einer Pirogue von St. Georges nach Oiapoque.
Wir fahren regelmäßig rüber nach Brasilien zum einkaufen, vor allem sind die Steaks dort besser und billiger – 4 fette T-bone Steaks für 6 Euronen, lecker lecker lecker