Kourou – französisch Guyana
ganz sanft dümpeln wir mit 2 Knoten entlang der Küste von St. Lucia um in ein paar Stunden durch den Channel auf die Westseite von Martinique zu gelangen, von Wind kann man nicht sprechen – eher wohl ein Lüftchen aber wir genießen es … wo waren wir stehen geblieben – Iles de Salut yep …
Die Ile Royale ist echt wunderschön und ein längerer Aufenthalt wäre Pflicht gewesen aber leider gab es dort keinen Supermarkt, die Vernunft crashed sehr schnell und der Bauch übernimmt das Kommando: franz. Rotwein, Camembert, frische Steaks, Kinderschokolade … mehr Argumente braucht es nicht und nach nur 8 Stunden lautet das Kommando: "Anker auf – Kurs Kourou"!
Die Einfahrt ist wirklich sehr gut betonnt aber ein Blick auf’s Echolot bestätigt das man diese Fahrt nicht bei Niedrigwasser tätigen sollte, desweiteren pendelt hier permanent der panamesische Saugbagger "Germa", also große Versandungsprobleme. Die Wasserfarbe löst auch keine Begeisterung aus, schmuddeliges braun – egal, wir kommen dem Supermarché immer näher.
3 Meilen Flußaufwärts et voila der Ankerplatz von Le Bourg, nach kurzer Inspektion finden wir unser Plätzchen und der Bügelanker verschwindet in der trüben Brühe des Kourou Rivers. Mein Begrüßungswink rüber zum französischen Katamaran "Take Five" wird mit einem Schuss aus einer Baikal Flinte Kaliber 12 beantwortet. Wooow, was läuft denn hier für ein Film ??? Okay, lachen ist wohl erstmal die beste Antwort.
Schnell ist das Dinghy zu Wasser gelassen und rüber gehts zum Anleger. Dort lerne ich Laurent von der Take Five kennen, er erklärt das an der Küste Richtung Norden, vor allem in Venezuela viele Yachten von armen Fischern (die sich als Piraten versuchen) angegriffen werden. Gestern haben sie sich ein paar Flinten gekauft (bekommt man hier ohne Waffenschein) und sind fleißig am üben denn sie wollen bald nach Trinidad aufbrechen.
Laurents Tipp: hörst Du eine Automatic, dann lass Dein Gewehr im Schrank und versuche es mit Worten denn hier handelt es sich meistens um Drogenschmuggler – erstens hast Du keine Chance und zweitens haben die Jungs kein Interesse eine Yacht zu plündern, die Fischer haben nicht die Kohle für automatische Schusswaffen und gehen auf leichte Beute – ein Warnschuss sollte meistens den gewünschten Erfolg haben.
Er erklärt noch den Weg zum Supermarkt und weiter geht’s … hm, hier scheint echt ein anderer Wind zu wehen – schaun wa mal.
Es scheint das die Chinesen den Lebensmittelhandel hier voll unter Kontrolle haben, alle Supermärkte in Kourou werden von ihnen geführt und booaah, ist das teuer hier – klaro wird ja alles aus Europa eingeschifft, Camembert de Normandie (3 Euronen), 2 Flaschen Rouge de Bordeaux (8 Euronen) und tiefgekühlte Steaks aus Alemania (12 Euronen) wechseln in unseren Besitz und schnell zurück an Bord, der Festschmaus ist gesichert.
2 Tage später fielen Nachts wieder ein paar Schüsse, Jacek und Andy von der S.Y. Guiria verscheuchten ein paar Diebe die ihr Dinghy zocken wollten. Okay, der Entschluss ist gefasst, wir machen uns in den kommenden Tagen wieder Seeklar denn es regnet zuviel in diesem Gebiet und es gibt auch noch friedlichere Länder – wozu haben wir ein Schiff !
Am Sonntag, den 31. Januar um 09:30 gehen wir wieder Anker auf – das Ziel: Martinique.
Die Kourou Flußmündung präsentierte sich sehr unfreundlich und mit beiden Maschinen stampften wir gegen die Wellen Richtung offene See. Der Wetterbericht stimmte nicht ganz mit der Situation überein, aus den versprochenen 20 Knoten Wind wurden zeitweise volle 30 Knoten und aus dem Nord-Ost wurde in Wirklichkeit ein Nord-Nord-Ost, gar nicht gut für uns denn nur mit dem Großsegel und der Sturmfock kommen wir nicht hoch genug an den Wind. Eine vergessene Komponente kam uns zur Hilfe, die starke nord-west setzende Strömung mit bis zu 4 Knoten (!), aber zu einem heftigen Preis: steile kabbelige See = Strom gegen Welle.
Nach nur 3 Stunden ertappte ich mich des öfteren bei dem Gedanken umzudrehen, die Sunjet bezog mächtig Prügel und mein Magen meldet langsam Protest an, kann eigentlich gar nicht sein – wir werden doch nie Seekrank aber diesmal sind wir doch kurz vorm opfern …
24 Stunden später … endlich frei von der Küste und wir erreichen das tiefblaue Atlantikwasser, die See bleibt aber ungemütlich und wir spielen U-Boot, die Wellen brechen über das Deck, ab und zu rauscht eine ins Cockpit und unter uns explodieren Wasserbomben, sprich die Wellen schlagen ohrenbetäubend gegen das Brückendeck. Das verrückte ist, wir haben weder Sturm – noch sind die Wellen hoch (max. 2 Meter) aber durch die Strömung sind die Biester so verdammt steil und kurz, da kann selbst das Mittelmeer nicht mithalten.
Auch machen wir viel Wasser durch die Luken vom Vorschiff, um Strom zu sparen bedienen wir die Handbilgepumpen und klaro, die Henderson Chimp Pump streikt nach kurzer Zeit, die Neopren-Membran verabschiedete sich – toll, erst vor 3 Monaten in Portugal ersetzt – im hohen Bogen fliegt die Pumpe samt Schläuche über die Kante.
Am 3.Tag erreichen wir wie schon in der Email an "meine" Fee beschrieben den Höhepunkt unserer Reise, wie immer kurz nach 10 Uhr zur Funkrunde … eine geile Welle kracht unter das Brückendeck und zerfetzt die Gummidichtung vom Backbord Niedergang, nun haben wir eine freie Öffnung von 30 cm x 8 cm – einfach beeindruckend wie viel Wasser durch so einen Spalt kommt, nur eine Welle und im Salon trieft das Wasser von der Decke – schnell erstmal einen Teppich rein stopfen … Christoph will meine Position, okay wird durch gegeben (könnte ja von Nutzen sein
) und ran an die Arbeit – mit einem großen Patch vom Schlauchboot-Repairkit dichten wir den Spalt wieder ab, jetzt schnell die Lenzpumpe an denn das Wasser muß raus …
Der Wasserpegel in der Bilge will trotz laufender Pumpe nicht sinken, ein Blick über die Kante auf den Borddurchlass und klaro … Pumpe Nr.3 (vor 6 Monaten gekauft!) out of service …
Nix mehr da außer die Frischwasserpumpe – also vom Wassertank kappen, den Schlauch in die Bilge legen und den Wasserhahn im Waschbecken öffnen und Pumpe marsch (!) – langsam aber sicher sinkt der Pegel während ich gedanklich zum Dschihad gegen die Bilgepumpenhersteller aufrufe – einfach eine Sauerei sowas …
Nochmal Schwein gehabt, die Laptops waren zugeklappt und die Funkanlage verdankt ihr Leben der Holzverschalung die wir auf den Kanaren gebastelt haben, ansonsten war alles bestens geduscht.
Am 4.Tag erreichten wir die Höhe von Tobago und die Strömung sowie der Wind ließen endlich nach, jetzt starten wir die Reha-Phase, oh man geilo !!! Alle Polster raus in die Sonne zum trocknen, es wird wieder richtig gekocht und der Duft von gerösteten Zwiebeln und Champignons wandert durchs Schiff, sogar die volle Flasche Rotwein bleibt auf dem Tisch stehen, na jut – die nicht so lange
Und jetzt wie schon gesagt dümpeln wir zwischen den Karibik Inseln in einer Flaute und geniessen jede Minute, wie herrlich wieder auf einer trockenen Matratze zu liegen … ich glaube das wir diesmal echt einen kleinen Dachschaden davon tragen werden, time will tell *muuuhahahaha
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Gerade kam der Funkspruch von Christoph – Frank & Crew vom Katamaran "Hermann-Heinrich" haben 200 sm vor der afrikanischen Küste einen Container gerammt und sind leck geschlagen, oh scheisse aber das packt ihr Leute! Infos unter www.seelotse.com !!