shit happens …
Noch voll im Rausch vom Ariane-Start besuchten wir in den folgenden Tagen den Weltraumbahnhof Kourou. Der Kontrast ist schon der Hammer, erst fährt man ein paar Kilometer durch tiefsten Urwald und schlagartig steht man vor der sehr sauber gepflegten High-Tech Anlage mit riesigen Parkplatz, Shuttle-Bussen, Museum, Checkpoints und als Eye-Catcher eine Ariane 5 in Natura … erstmal schlucken und raus mit der Kamera.
Lichtjahre ist es her das wir mal ein Museum besuchten (glaub vor 30 Jahren in Stockholm) … Kulturflegel yep – macht nix, holen wir ja jetzt nach und zahlen brav 6 Euronen an der Kasse, eine Lady kommt angehechelt und fragt nach Waffen – “Nope, wir kommen mit friedlichen Absichten” …alors bienvenu Monsieur.
Zu 70% besteht das Museum aus Illustrationen z.B. Satellitenaufnahmen der Erde dann 3 Satmodelle inkl. Meteosat. und einige Bauteile der Ariane. Sehr interessant fand ich das Vulcantriebwerk der Ariane 5, bei solch einer Anzahl von Schläuchen, Düsen und Zuleitungen verliert man schnell den Faden … wie verdammt funzt denn nun das Teil ?!
Aber irgendwie fehlt hier der ultimative Kick, ein 3D Spacesimulator oder zumindest eine große Leinwand auf der man Aufnahmen von den Starts bewundern könnte aber es gibt nur ein paar Pc’s auf denen man sich Videos anschauen kann, somit bedankten wir uns und genossen nach 30 Minuten Dunkelkammer wieder den Sonnenschein und blauen Himmel Guyanas. – das sollte reichen für die nächsten 30 Jahre, Museen ist nicht so unser Ding
Auf der Rückfahrt vom Spacecenter kommt uns ein Schwertransport entgegen,alle Leutz rechts ran – roger – roger und unter grössten Sicherheitsvorkehrungen passiert uns das Johannes Kessler Modul, welches erst vor kurzem in Bremen auf die M.S. Tucan verschifft wurde, wie sagte Susi von der S.Y. Peter Pan noch – “die Welt ist ein Dorf”
Nun jut, 5 Tage lang wurde an Bord der Sunjet auch mal wieder gearbeitet, die kurze steile See vor Suriname hat unser Brückendeck weich geschlagen, 8 Kartuschen Sikaflex Mastic, 5 Kg Polyester, 6 qm2 Glasfasermatten, 4 Nirobolzen (10 mm) sowie 2 Marinesperrholzplatten (8 mm & 12 mm) wurden im Sandwich-Verfahren einlaminiert.
Yoohooo, wir sind wieder Seeklar und nehmen Kurs auf Cayenne. Leider mal wieder nur eine ganz leichte Brise und eine Maschine summt auf halbe Kraft voraus sonst würde uns die Strömung rückwarts laufen lassen. Cayenne ist stark versandet bzw. verschlammt und einlaufen ist nur bei Hochwasser möglich. Wir gehen 200 Meter südlich des alten Anlegers vor Anker. Mit dem Dinghy kann man easy über einen Kanal in die City fahren, 2 Supermärkte gleich hinter der letzten Brücke somit keine große Schlepperei und mehrere Münzwäschereien zu vernünftigen Preisen aber Begeisterung kommt trotzdem nicht auf – Cayenne ist praktisch aber nicht sehr schön, es müffelt doch sehr penetrant am Kanal der auch als Müllentsorgung dient.
3 Tage später waren alle Klamotten gewaschen sowie der Diesel und Futterbestand aufgefüllt, 60 Seemeilen bis Brasilien, packen wir es an.
Alles wie gehabt, leichter Wind fast auf der Nase und ein Diesel tuckert mit, gegen 6:00 bei Sonnenaufgang erreichen wir die Mündung vom River Oiapoque. 2 Fischerboote sichten wir voraus als Mitläufer, einer auf der französischen, der andere auf der brasilianischen Seite, sehr langsam die Burschen – wir haben Zeit und reduzieren unsere Geschwindigkeit. Unsere Kursänderung leicht Richtung französisches Ufer wird kurze Zeit später von einem der Fischer kopiert … Hm, der ist wohl neugierig, also Kurs wieder zur Flussmitte und … yep, er zieht mit – jetzt beide Maschinen 3/4 voraus, erst mal auf ihn zu und dann an seine Steuerbordseite und ansetzen zum überholen. Unser Kamerad gibt nun auch Gas, rauscht rüber zu seinem Kollegen, es springen Leute an Bord und er nimmt wieder Kurs auf unsere gute Sunjet, der Not & Anrufkanal 16 wird soeben mit Musik belegt, jetzt heißt es endgültig Gefechtsalarm !
In Kourou habe ich mehrere Stunden mit einem Gendarmen an einer Taktik gefeilt, gemeinsam waren wir uns einig das der erste Eindruck zählt, eine pechschwarze Baikal Kaliber 12 (sieht von weiten aus wie eine Automatic) sowie ein kompletter Kampfanzug der Fremdenlegion – die Weste verleiht Dir ein Kreuz a la Schwarzenegger …
Also rein in den Anzug, klick-klick machen die Schnellverschlüsse der Weste, in den Taschen verschiedene Arten von Schrot (Fein, 6er & 9er Kugeln) und zack-zack raus ins Cockpit, nun ganz cool die Baikal an die Genuawinsch hängen.
Ich greife zum ICOM Handfunkgerät und simuliere ein Gespräch, uns blockiert keiner den Kanal ! Unser Fischer ist jetzt nur noch knapp 100 Meter entfernt und auf einmal stoppt die Musik auf Kanal 16 und ein Gebabbel auf brasilianisch (portugiesisch) ertönt, ich verstehe nur zwei Wörter: “es Militar” und sie drehen sofort ab Richtung See !
Oh shit, Adrenalin pur – zuerst die Erleichterungsphase, gefolgt von großer Freude und dann klopft Kollege Wahnsinn an … “komm Alter, jage denen jetzt ‘ne Salve hinterher” … aber die Vernunft siegt.
Eine halbe Stunde später waren beide Boote außer Sicht und ich konnte endlich pitsch-nass geschwitzt wieder raus aus dem Anzug.
Die weitere Fahrt dem Fluss hinauf verlief ohne Zwischenfälle und um 15:00 Uhr fiel der Anker vor einem kleinen brasilianischen Camp. Die Stimmung war doch etwas angekratzt, die Story müssen wir erst einmal verdauen. Gedanken kamen auf wie schön entspannt man auf der Ostsee oder Nordsee segelt und was machen wir überhaupt hier?
Okay, shit happens – ab sofort wird alles bei Dunkelheit an Bord abgeschlossen und die Baikal bleibt permanent griffbereit.
Ein neuer Tag beginnt, die Moral ist durch die ruhige Nacht wieder gestärkt und wir gehen Anker auf Richtung St. Georges und Oiapoque. Es wird eine herrliche Tour – kilometerweit kein Zeichen von Zivilisation, wir fahren durch tiefsten Urwald – cooolio
Vorbei geht es an vielen Inseln, zur großen Freude ist das Wasser auf dem Oiapoque viel sauberer als in Cayenne oder Kourou.
Noch 8 Kilometer bis St. George, wir wechseln zurück auf die französische Seite und hissen wieder die Tricolore.
Um 13:00 Uhr erreichen wir St. Georges, Sahne – das Handy funktioniert hier wieder.
Nach 8 Monaten haben wir endlich wieder die Möglichkeit trocken zu fallen, das Oiapoque-Ufer ist absolut schlammfrei und besteht aus Sand und Kieselsteinen. Natürlich hatten wir uns wieder ein dichtes Kleid an Pockenmuscheln im Kourou River eingefangen, kein Problem – 6 Stunden kratzen und ein 6 Pack Bier, danach war alles wieder picobello sauber.
bis Ende Juli dauert die Regenzeit, 2-3 kurze Schauer täglich – es kann aber auch mal den ganzen Tag durch regnen. Baden macht hier wieder spaß, es handelt es sich um feinstes Frischwasser und ist mit 25 Grad auch sehr erfrischend. Ein deutscher Segler behauptete Piranhas gesichtet zu haben, sorry aber die sind viel weiter oben auf dem Amazonas.
Grüsse gehen diesmal nach Valencia zum Kjeld und nach Dessau zur Sekundarschule Zoberberg, schön Euch an Bord zu wissen.
Und recht herzlichen Dank an Achim (S.Y. Acropal), Manni (S.Y. La Rossa) sowie an Wolfgang und Günter (S.Y. Galeb) – Jungs, die Genua ist absolute spitze, ohne dieses Segel hätte ich niemals Brasilien erreicht – moit obrigado
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Nachtrag: mittlerweile sind wir schon 2 Wochen in St. Georges und haben viele nette Menschen kennen gelernt, direkt vor dem Hafen liegen wir auch sehr sicher da Gendamerie, Zoll und die Armee permanent auf Streife sind. Trotzdem wird man immer wieder zur Vorsicht aufgerufen. Die Straße von Cayenne nach St. Georges geht quer durch den Urwald, ca. 50 ausgebrannte und mit Kugeln durchlöcherte Pkw’s zieren den Straßenrand, überfallen von brasilianischen Banditen die Nachts über den Fluss kommen und hier in Guyana Raubüberfälle ausführen. Die Regierung bittet diese Strecke nur tagsüber zu benutzen, falls Nachts dann auf keinem Fall irgendwo anhalten. Fazit, es ist eine wunderschöne Gegend, der Besuch lohnt sich wirklich aber man sollte auch Sicherheitsmaßnahmen treffen.
Ariane 5
Seit Tagen spüren wir die großen Sicherheitsvorkehrungen von Polizei und Militär, gestern mussten wir sogar unsere geliebten Iles du Salut verlassen, da diese jedes mal zur Sperrzone erklärt werden. Seit einer halben Stunde kreisen permanent Helikopter durch den Nachthimmel, im TV läuft der Countdown aber wir stehen klopfenden Herzens an der Reling mit der Videokamera bewaffnet : CINQ … QUATRE … TROIS … DEUX … UN … TOP ALLUMAGE VULCAN !
Und schlagartig wird es taghell, ein tiefes Grollen ertönt und die Erde bebt … wooooow !
Langsam steigt ein Feuerball gen Himmel und setzt beim durchstoßen die Wolken in Brand, der Sound wird jetzt richtig kernig mit einer Mischung aus schnalzen und bersten – gewaltig Leutz, einfach faszinierend !
Schnell verliert der Lichtkegel an Intensität, zu schnell leider … aber die Wolkendecke ist einfach zu groß und nach einer Minute ist das großartige Schauspiel hier in Kourou schon vorbei. Im TV schwenkt die Kamera vom Flight Director rüber zu verschiedenen Ingenieuren, die alle nervös und angespannt die Telemetrie Daten auf den Bildschirmen verfolgen, wir zittern mit … nur nichts schief gehen jetzt, schön weiter Ariane … immer weiter hinauf.
Die Abkopplung vom ASTRA 3 B Satelliten funktionierte einwandfrei, jetzt heißt es noch Daumen drücken für den COMSATBw-2, ein Kommunikationssatellit für die deutsche Bundeswehr. Nach weiteren 20 Minuten dann der freudige Ruf des Flight Directors “Mission acomplie” – Auftrag ausgeführt !!! Yeeaah, auch auf der Sunjet wird sofort eine Flasche Vin Rouge auf den Erfolg geöffnet, “super gemacht Jungs!”
Und was lief bei Euch im TV, Bauer sucht Frau oder eine Sendung wie man eine Frikadelle zubereitet ? Unverständlich (!), hier vollbringen Europäer technische Glanzleistungen und die Medien füllen vielleicht eine kleine Seitenspalte in ihrer morgigen Ausgabe damit. …
Soderle, es gibt ein paar neue Bilder von den Inseln, die könnt ihr Euch hier anschauen, und das Video ist auch schon fertig.
Viel spaß und nochmals herzlichen Glückwunsch an das ArianeSpace-Team – Yoohooo !
Nickerie River – Suriname
genau heute vor einer Woche verliessen wir die Karibik Richtung Süd-Amerika. 3 tolle Abende hatten wir on the row abgespult, der erste an Bord der Bomika mit Lisa und Charlie,wie immer sehr gemütlich. Am folgenden Abend in der Prickly Bay die Hammer-Rumpunsch Party an Bord der Aleppo, olala – 5 Ösies und ein Germane, nach jedem Glas verstand ich den tiefen Steiermark-Slang besser und zum guten Schluss wollte ich schon den österreichischen Adler auf der Sunjet hissen, danke nochmals Karin & Kurt ! Den letzten Abend besuchte ich mit Oliver von der TAO ein China-Restaurant, endlich hat es mal ausgezeichnet geschmeckt, denn in Faro sowie auf den Kanaren sind wir beim Chinesen mächtig auf die Schnauze gefallen …
Zurück auf See, nach Umrundung von Point Salines (SW Grenada) bekamen wir den Wind direkt auf die Nase, BOUM – wieder ballern die Wellen ohne Gnade unter unserem Brückendeck, arme Sunjet – das muss doch weh tun … nach 10 Meilen zum Gegenschlag und so weiter – 36 Stunden lang kreuzten wir uns von Grenada frei und erreichten am Sonntag Nachmittag die Insel Tobago (Trinidad & Tobago).
Sonntag auf Montag war der Wind uns mit Nord-Nord-Ost 15 Knoten gnädig gestimmt und wir machten einen guten Satz gen Ost. Dienstag wieder knallhart am Wind. Ab Mittwoch wurde es dann sehr schwierig denn der Wind aus Ost ging auf 7-10 Knoten runter und die Strömung drückte uns immer weiter auf’s Land zu. Venezuela und das Orinoco Delta war geschafft aber Guyana (ehemaliges British Guiana) geniesst unter Seglerkreisen alles andere als einen guten Ruf = Piraterie & Korruption. Oliver versorgt uns per Pactor mit guten Infos und die Entscheidung ist gefallen – Maschinen volle Kraft voraus und auf nach Suriname.
Freitag morgen standen wir endlich nach 6 Tagen gebolze vor der Mündung des Courantyne River. Das schöne Atlantik “blau” wechselte über in ein lehmiges braun, nicht gerade motivierend aber diesen Film kennen wir von unserem letzten Kourou Besuch in französisch Guyana. Dann genau in der Funksession mit Christoph und Albert schnalzte die Klammer von der Schleppangel – Fischalarm ! Wir hieven eine ca. 1 Meter große Dorade ins Cockpit – boooaaah, endlich eine Dorade, die Stimmung schlug sofort auf Positif um, das muss ein gutes Omen für unseren vorstehenden Suriname Besuch sein. Danach höchste Konzentration, wir haben ablaufendes Wasser und müssen von den Courantyne Fluss in den Nickerie Fluss abbiegen. Die Positionen der Fahrwassertonnen stimmen nicht mit unserer Navigationssoftware überein, ist die Ansteuerungstonne vielleicht abgedriftet ? Wir merken uns die Versetzung und spätestens bei Tonne 2 wird klar, die Karten sind schlecht kalibriert. Also geht’s weiter auf der alten klassischen Art mit Peilungen. Eine Stunde später befinden wir uns im tiefen Wasser des Nickerie Flusses.
Erster Kontakt mit der Bevölkerung Surinames. Fischer passieren – ich grüße und mit einem freundlichen Lächeln wird dieser erwidert = gutes Zeichen. Am Flussufer stehen viele Menschen und winken zu uns rüber, cool, das sieht doch prima aus. Anschließend passieren wir die Hotelanlage vom Royal Inn, auf der Barterrasse riefen die Leute “come over for a drink”. Gute Idee, beim vorbereiten des Ankergeschirrs dann “take our Ponton, you are more than welcome!” Wooow, okies – Fender und Leinen raus und 10 Minuten später saßen wir in guter Gesellschafft und genossen das gute Parbo Bier (echt lecker!).
Später lernte ich dann auch den Chef “Roy” und seinen Junior kennen, die Wellenlänge stimmte sofort. Dinghy zu Wasser und raus auf dem Fluss um gute Aufnahmen vom Hotel zu machen. Mittlerweile gehört die Sunjet zur Royal Inn Familie, wir planschen im Pool, genießen das Wlan, aber Liegeplatzgebühren wurden in einem leicht beleidigten Ton bestimmend abgelehnt. “ You can stay as long as you wish !”
Heute morgen fragte ich ob eine Tankstelle in der Nähe wäre, 10 Minuten später wartete ein Angestellter des Hotels mit laufenden Motor, mit 4 Kanistern ging es auf zur Pumpe, wieder wurde jegliche Bezahlung abgelehnt, what a country, was für eine Gastfreundschaft, einfach nicht zu fassen !
Aber die See ruft, der Wind ist günstig und unsere Reise geht morgen früh weiter nach französisch Guyana, aber Suriname und seine liebenswürdigen Menschen haben wir ganz ganz oben in unser Herz eingeschlossen.
