Monkey Court

Donnerstag, 17.12.2009
vor 5 Minuten noch eine Pütz Wasser über den Balg gekippt und schon wieder nass geschwitzt, wir schreiben den 2. Tag in Folge ohne Wolken und die Abrechnung kommt immer zwischen 14:00 und 16:00 Uhr. Ein großes Gelächter seitens des Teams als ich heute die Bemerkung machte das in einer Woche Heiligabend ist. Wir wünschen uns einen Eisladen am Fluß, "Zitrone und Blaubeeren bitte" … aber hier ist nichts von der Zivilisation zu spüren und unser einzigster Link zur Außenwelt ist die "Seelotsen Funkrunde" morgens um 10:00 UTC mit Christoph in Kiel über Kurzwelle.

Gestern umfuhren wir kurz hinter der Mc Carthy’s Insel die ersten River Rocks, sie zogen sich fast über den kompletten Fluß, nur am Südufer befand sich eine enge Passage in der auch ein mächtiger Strom stand aber wir kamen ohne Probleme hindurch.

Affen beim Monkey Court

Heute schafften wir nur lächerliche 7 Meilen danach wurde die Hitze einfach unerträglich und wir ankern seit heute Nachmittag vor dem Monkey Court. Ein kleiner Fussmarsch durch die Savanna ist geplant aber damit warten wir lieber bis kurz vor Sonnenuntergang denn wer steigt schon freiwillig in einen Backofen. Oups, gerade wo ich diese Zeilen schreibe grunzt es wieder auf dem Fluß, ganz klar … Hippo Alarm !

Hippo beim Monkey Court

Mit den Videokameras um den Hals springen wir sofort in die Dinghys und tuckern auf die großen Kamaraden zu, wieder erschallt dieses mächtige Röhren welches eigentlich nur Fluchtgedanken erweckt, aber wir hätten gerne ein paar Nahaufnahmen. Oups… gar nicht gut, wir erkennen ein Hippobaby, das heisst die Eltern reagieren extrem gereizt auf Annäherungsversuche. Wieder gehen sie auf Tauchstation, ich fahre einen kleinen Bogen und stelle den Außenborder ab, 30 Meter vor uns tauchen alle drei Hippos gemeinsam wieder auf. Schnell den Zoom einstellen und "push" auf Aufnahme … shit, das Bild wackelt von links nach rechts und keine Chance es zu stabilisieren denn Martin trommelt auf meiner Schulter und bittet den Außenborder zu starten. Danach machten wir einen Crew-Wechsel und mit Jerome im Dinghy änderten wir die Taktik:
1. Kurs der Hippos analysieren
2. seitlich umfahren
3. vor den Hippos gehen und Motor abstellen
4. von den Hippos einholen lassen
Es gelangen noch einige gute Aufnahmen bis kurz vor Sonnenuntergang.

Am nächsten Morgen, kurz vor Sonnenaufgang bezwangen wir die Red Hills vom Monkey Court, wir wurden mit einem herrlichen Ausblick auf Fluß und Busch belohnt.

Aussicht vom Monkey Court

Anker auf und weiter geht’s den River hoch, unser vorläufiges Ziel lautet Basse aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg, 6 River Rocks Passagen liegen dazwischen, wir halten Euch auf dem Laufenden …
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At 19.12.2009 09:31 (utc) S.Y. Sunjet position was 13°27.66′N 014°30.59′W

Tag der Entscheidung !

Flashback März 2009 … nach 3 Tagen Flußfahrt schaut man meistens nach vorne, zu beiden Seiten des Flußes und ab und zu mal nach achtern aber niemals nach oben, wozu auch – die Segel sind ja bestens gegen die starke Sonne geschützt in Persenningen verpackt.
Bei Ankunft in Georgetown winkten die Menschen auf beiden Seiten fröhlich zur Sunjet hinüber. Immer stärker wird der Applaus und einige fangen fast an zu tanzen ! Wooow, solch einen herzlichen Empfang haben wir ja noch nie erlebt, einfach unglaublich. Die Athmosphäre steigerte sich aber noch weiter und alle Bewohner rissen ihre Arme hoch und zeigten gen Himmel … was, der liebe Gott schaut auch zu ? Ein Blick am Himmel und die Freude wechselte ins blanke Entsetzen, über uns eine Hochspannungsleitung ! Zum Überlegen keine Zeit mehr – Ruder hart Backbord – Backbord Maschine volle Kraft zurück (hartes Knallen beim umschalten denn keine Zeit für Zärtlichkeiten) und Maschine Steuerbord volle Kraft voraus ……. spannender hätte es kein Regisseur hinbekommen, geschätzte 5 Meter trennten Mast und Hochspannungsleitung als die Sunjet die Kurve bekam …
Somit war Georgetown im Frühjahr erstmal Endstation denn auf der Südseite der Mc Carthy’s Insel ist eine noch tiefer liegende Telefonleitung gespannt.

Zurück in die Gegenwart: von den Kai-Ai Inseln waren es nur noch 6 Meilen bis Georgetown, diesmal haben wir absichtlich die Tide verschlafen und fuhren mit nur 3,5 Knoten gegen den Strom. Der Plan ist simpel – bei Niedrigwasser knallhart an den Flußrand – Ambra bleibt 100 Meter hinter der Sunjet und die Ambra-Crew versucht mit Fernglas frühzeitig abzuschätzen ob der Sunjet-Mast unterdurch passt – bleibt er hängen dann haben wir ein ernsthaftes Problem !

Laut Hafenbehörde von Banjul war die maximale Durchfahrthöhe früher ca. 16 Meter aber im Laufe der Jahre sind die Pilone tiefer ins Erdreich gesackt und man munkelt eher von max. 13 Meter – das ist genau die Masthöhe der Sunjet.
Wir schäkeln den Anker ab und nutzen die Kette als eine Art Blitzableiter indem wir sie mehrmals um die Wanten schlagen und das Ende ins Wasser leiten. Sollte es zum Kontakt kommen, dann wäre ein schneller Kurzschluss meiner Meinung zum Vorteil.
Auf geht’s zum Nordufer, dort steht der Hochspannungsmast dicht an den Kaianlagen – kurzes Aufstoppen um die Autofähre abfahren zu lassen – das sind nochmals 5 Meter Richtung Ufer gewonnen. Mit pochenden Herzen weiter auf die verfluchten Kabel zu – ich kann von diesem Winkel aus überhaupt NICHTS abschätzen und frage wiederholt per Ukw bei Ambra nach – dort auch große Debatten. Eine grosse Menschentraube versammelte sich am Ufer und die "welcome" Rufe blieben ausnahmsweise mal unbeantwortet, zu sehr beschäftigt mich die Leitung über den Kopf !
Danach auch noch der Ruf eines Einheimischen mit "don’t do it !", Ambra über Ukw "we are not a 100% sure but it looks possible". Okay, Hopp oder Top – 5 Meter vor den Leitungen beide Maschinen volle Kraft voraus – we are over the point of no return und … schiessen unter durch, boooaaaah geiloooo :-) Am Ufer applaudiert die Menge und ich tanze vor Freude auf dem Brückendeck – Ambra kam sofort nach denn ihr Mast ist 2 1/2 Meter kürzer. Sofort gehen wir vor dem Jang Jang Bureh Camp vor Anker und feiern unseren Erfolg mit reichlich Julbrew Bier in der Club Bar.

River Gambia 070

Für (fast!) alle Yachten ist Georgetown der Zenit, noch höher den Fluß hinauf zu fahren ist ein anderer Schnack. Kurz hinter der Mc Cathy’s Insel beginnen die River Rocks, dicke Felsen manchmal auf der Nordseite, sowie auch in der Flußmitte und Südseite, ein paar Pilotskizzen sind unser wertvollstes Navigationsmaterial, ansonsten heisst es Wahrschau am Bug oder mit Dinghy voraus als Späher. Die Tagesdistanzen werden von vorher 150 km auf max. 30 km fallen. Aber dafür sollten wir mit "Natur Pur" entschädigt, Manatees und Wasserschildkröten stehen auf unseren Wunschzettel …

River Gambia 100

Wir hoffen davon bald berichten zu können :-) :-) :-)
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At 16.12.2009 12:22 (utc) S.Y. Sunjet position was 13°32.59′N 014°45.39′W

Im Land der Krokodile & Flußpferde

Im Busch macht es ehrlich spaß früh aufzustehen. Alles was Pfoten, Krallen oder Flügel hat trifft sich mehr oder weniger friedlich zum morgendlichen Erfrischungsschluck am Flußufer. Als bei der ersten Muck Kaffee im Cockpit zwei Glubschaugen an der Sunjet vorbei schwammen waren wir doch erstmal sprachlos, das erste gesichtete Krokodil auf dem River Gambia – besser konnte der Tag nicht beginnen.
Zwanzig Minuten später gingen beide Schiffe Anker auf und wir setzten unsere Fahrt Richtung Georgetown fort. Vorbei an Kuntaur … wundere mich wo wohl die kleine Autofähre abgeblieben ist, momentan werden die Leute mit kleinen Holzbooten über den Fluß gebracht. Am Südufer von Baboon Island prusteten und schnauften stolz 2 Flußpferde bei ihrem Morgenbad, die Krönung nur 5 Minuten später mit einem 3 Meter langen Krokodil auf der Westbank – sofort stoppen wir die Schiffe auf und fachsimpelten ob wir bei Angriff eines solchen Kolloses überhaupt eine Chance hätten, die Antwort war einstimmig "nein" und wir beschlossen das Baden im Fluß in Zukunft auf ein Minimum zu reduzieren.

Krokodil auf der Westbank

Der Nationalpark zeigte sich von seiner schönsten Seite und wir entdeckten hunderte von Pelikanen, Flamingos und uns unbekannten bunten Vögeln, sogar einige Adler waren dabei.

Gegen 16:00 Uhr erreichten wir die Ka-Ai Inseln, hier gönnte mir Mutter Natur im letzten Frühjahr die besten Filmaufnahmen und Bingo – kaum vor Anker vernahmen wir schon das schnaufen eines Hippos, welches sich aber nur kurz blicken lies. Martin & Jerome untersuchten das Flußufer und entdeckten viele Spuren von Hippos und ein Krokodil im Schlamm. Kurz vor Sonnenuntergang tuckerten wir mit den Dingy’s in einen schmalen Creek, wieder unter größter Aufmerksamkeit denn ein Flußpferd in diesem engen Gewässer könnte äusserst gefährlich reagieren. Der Creek endete nach einer halben Meile als Bewässerungskanal in einem Reisfeld.

River Gambia 074

Zurück an Bord mussten wir den Tag gebührend feiern, Jerome backte ein paar Fladenbrote die mit Erdnussbutter herrlich schmeckten, die Sunjet steuerte eiskalte Getränke hinzu und Skipper Claes opferte eine Flasche Rum. Mit Begeisterung revidierten wir nochmals die Videoaufnahmen und Bilder der letzten Stunden, vor allem das Krokodil auf der Westbank erntete großen Applaus. Gegen 22:00 Uhr erloschen die Lichter an Bord von Ambra & Sunjet und die Crews verschwanden unter ihren Moskitonetzen. Na fast, denn Cola Rum drückte doch noch etwas auf der Blase und ich bevorzugte das Bord-WC wegen der Mücken draußen, beim zweiten Pumpenschlag dann der Schock … EIN OHRENBETÄUBENDER SCHREI (!!!) … vom Klang eine Mischung aus röhrender Hirsch mit etwas grunzen vom Schwein und vielleicht noch etwas wiehern vom Pferd – aber der tiefe Bass erschüttert ein bis ins tiefe Mark ! Nun war klar, ein Flußpferd schwamm ganz dicht an die Sunjet heran um im Schutze der Nacht die Eindringlinge in seinem Revier zu inspizieren. Als Begrüssung die WC-Pumpe zu bedienen war wirklich ein sehr respektloser Akt meinerseits. "Sorry, das war keine Absicht liebes Hippo, kommt nicht wieder vor" … aber nach dem kurzen Schock nahm der Paparazzi wieder überhand und schwupp mit Videokamera und Nightvision raus an Deck. Auch auf Ambra schauten ein paar Nasen über den Cockpitrand hinaus und wir flüsterten "il est vachement proche !" (es ist sehr dicht am Boot). Nochmals erklang ein ärgerliches Schnauben und unser Hippo verschwand wieder in die Tiefe der Nacht.

Wetter
Las Palmas (Kanaren)
8. Februar 2012, 09:23
Bewölkt
Bewölkt
17°C
Gefühlte Temperatur: 14°C
Aktueller Luftdruck: 102 mb
Luftfeuchtigkeit: 55%
Wind: 4 bft N
Böen: 4 bft
Sonnenaufgang: 8:45
Sonnenuntergang: 19:47
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