Tag der Entscheidung !
Flashback März 2009 … nach 3 Tagen Flußfahrt schaut man meistens nach vorne, zu beiden Seiten des Flußes und ab und zu mal nach achtern aber niemals nach oben, wozu auch – die Segel sind ja bestens gegen die starke Sonne geschützt in Persenningen verpackt.
Bei Ankunft in Georgetown winkten die Menschen auf beiden Seiten fröhlich zur Sunjet hinüber. Immer stärker wird der Applaus und einige fangen fast an zu tanzen ! Wooow, solch einen herzlichen Empfang haben wir ja noch nie erlebt, einfach unglaublich. Die Athmosphäre steigerte sich aber noch weiter und alle Bewohner rissen ihre Arme hoch und zeigten gen Himmel … was, der liebe Gott schaut auch zu ? Ein Blick am Himmel und die Freude wechselte ins blanke Entsetzen, über uns eine Hochspannungsleitung ! Zum Überlegen keine Zeit mehr – Ruder hart Backbord – Backbord Maschine volle Kraft zurück (hartes Knallen beim umschalten denn keine Zeit für Zärtlichkeiten) und Maschine Steuerbord volle Kraft voraus ……. spannender hätte es kein Regisseur hinbekommen, geschätzte 5 Meter trennten Mast und Hochspannungsleitung als die Sunjet die Kurve bekam …
Somit war Georgetown im Frühjahr erstmal Endstation denn auf der Südseite der Mc Carthy’s Insel ist eine noch tiefer liegende Telefonleitung gespannt.
Zurück in die Gegenwart: von den Kai-Ai Inseln waren es nur noch 6 Meilen bis Georgetown, diesmal haben wir absichtlich die Tide verschlafen und fuhren mit nur 3,5 Knoten gegen den Strom. Der Plan ist simpel – bei Niedrigwasser knallhart an den Flußrand – Ambra bleibt 100 Meter hinter der Sunjet und die Ambra-Crew versucht mit Fernglas frühzeitig abzuschätzen ob der Sunjet-Mast unterdurch passt – bleibt er hängen dann haben wir ein ernsthaftes Problem !
Laut Hafenbehörde von Banjul war die maximale Durchfahrthöhe früher ca. 16 Meter aber im Laufe der Jahre sind die Pilone tiefer ins Erdreich gesackt und man munkelt eher von max. 13 Meter – das ist genau die Masthöhe der Sunjet.
Wir schäkeln den Anker ab und nutzen die Kette als eine Art Blitzableiter indem wir sie mehrmals um die Wanten schlagen und das Ende ins Wasser leiten. Sollte es zum Kontakt kommen, dann wäre ein schneller Kurzschluss meiner Meinung zum Vorteil.
Auf geht’s zum Nordufer, dort steht der Hochspannungsmast dicht an den Kaianlagen – kurzes Aufstoppen um die Autofähre abfahren zu lassen – das sind nochmals 5 Meter Richtung Ufer gewonnen. Mit pochenden Herzen weiter auf die verfluchten Kabel zu – ich kann von diesem Winkel aus überhaupt NICHTS abschätzen und frage wiederholt per Ukw bei Ambra nach – dort auch große Debatten. Eine grosse Menschentraube versammelte sich am Ufer und die "welcome" Rufe blieben ausnahmsweise mal unbeantwortet, zu sehr beschäftigt mich die Leitung über den Kopf !
Danach auch noch der Ruf eines Einheimischen mit "don’t do it !", Ambra über Ukw "we are not a 100% sure but it looks possible". Okay, Hopp oder Top – 5 Meter vor den Leitungen beide Maschinen volle Kraft voraus – we are over the point of no return und … schiessen unter durch, boooaaaah geiloooo
Am Ufer applaudiert die Menge und ich tanze vor Freude auf dem Brückendeck – Ambra kam sofort nach denn ihr Mast ist 2 1/2 Meter kürzer. Sofort gehen wir vor dem Jang Jang Bureh Camp vor Anker und feiern unseren Erfolg mit reichlich Julbrew Bier in der Club Bar.
Für (fast!) alle Yachten ist Georgetown der Zenit, noch höher den Fluß hinauf zu fahren ist ein anderer Schnack. Kurz hinter der Mc Cathy’s Insel beginnen die River Rocks, dicke Felsen manchmal auf der Nordseite, sowie auch in der Flußmitte und Südseite, ein paar Pilotskizzen sind unser wertvollstes Navigationsmaterial, ansonsten heisst es Wahrschau am Bug oder mit Dinghy voraus als Späher. Die Tagesdistanzen werden von vorher 150 km auf max. 30 km fallen. Aber dafür sollten wir mit "Natur Pur" entschädigt, Manatees und Wasserschildkröten stehen auf unseren Wunschzettel …
Wir hoffen davon bald berichten zu können
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At 16.12.2009 12:22 (utc) S.Y. Sunjet position was 13°32.59′N 014°45.39′W